Wien

Geschichte:

Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals 881 in den Salzburger Annalen, in denen eine Schlacht gegen die Magyaren beschrieben wird. Erste Besiedelungen der Region um Wien lassen sich aber bereits um 2000 v. Chr. nachweisen. 400 v. Chr. zogen die Kelten ein und nannten die Stadt von nun an Vedunia. Im Jahre 100 n. Chr wurden die Kelten jedoch von den Römern nahezu vernichtet. Die Römer nutzten die Stadt, die sie Vindobona nannten, für ein nahe gelegenes Militärlager nahe der Donau, das die Provinz Pannonien sichern sollte. Im Jahr 955 besiegte der ostfränkische König Otto I. die Magyaren und legte so den Grundstein für einen Staat. 976 wurde unter den Babenbergern die Markgrafschaft Ostarrichi (Österreich) eingerichtet. Mit den Babenbergern begann der Aufstieg Österreichs und somit auch Wiens. 1156 wurde Österreich zum Herzogtum erhoben und Wien wurde Sitz des Herzogs Heinrich Jasomirgott.

Wien entwickelte sich aufgrund seiner günstigen geografischen Lage schnell zu einem Wirtschafts- und Handelszentrum. Mit dem Stadt- und Stapelrecht war es ab 1221 Gesetz, dass Kaufleute auf der Durchreise ihre Waren zum Verkauf anbieten mussten. So entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit weitreichende Handelsbeziehungen mit ganz Europa, vor allem mit Italien. 1278 erhielten die Habsburger durch den Sieg Rudolfs I. über Ottokar II. von Böhmen die Herrschaft über Österreich. Nachdem Böhmen und Ungarn ebenfalls zum Herrschaftsbereich der Habsburger hinzukamen, wurde Wien 1556 auch Sitz des Kaisers. Auch die Bedrohungen des Osmanischen Reiches konnte Wien im 16. und 17. Jahrhundert erfolgreich abwehren. Mit dem Ende der letzten Türkenbelagerung 1683 erblühte die Stadt Wien. Die Stadt vergrößerte sich rasch und die ersten barocken Bauten und Palais entstanden. Die Bevölkerung wuchs ständig und so zählte Wien 1790 bereits 200.000 Einwohner. Architektonisch und kulturell entwickelte sich Wien gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Zentren in Mitteleuropa.

Jedoch blieb auch Wien von den napoleonischen Kriegen nicht verschont. Zweimal, 1805 und 1809, wurde die Stadt von Napoleons Truppen eingenommen. Kurz nach der zweiten Besetzung wurde Napoleon jedoch besiegt und in Wien verhandelte man im Wiener Kongress von 1815 über die neuen Verhältnisse in Europa. Unter Fürst Metternich und der Politik der Restauration hatte Österreich mit Zensur und Spitzelwesen zu kämpfen - erst die Märzrevolution von 1848 brachte Umbrüche mit sich. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Industrialisierung - der Anschluss an das Eisenbahnnetz und die Dampfschifffahrt trug unter anderem sehr zur Verbesserung der städtischen Infrastruktur bei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchsen das Stadtgebiet und die Vororte immer weiter zusammen und wurden nach und nach eingemeindet. In dieser Zeit stieg die Bevölkerung rasant an und Wien erlebte einen nicht gekannten Bauboom. Den höchste Einwohnerzahl erreichte die Stadt 1910 mit 2.031.000 Einwohnern. Zu diesem Zeitpunkt war die Kaiserstadt aber bereits am Ende angelangt und erlebte ihren Niedergang mit dem Ersten Weltkrieg. In Österreich wurde die Republik ausgerufen und Wien mittels Trennungsgesetzen zu einem eigenen Bundesland erklärt. In der Politik dominierte ab 1918/1919 die Sozialdemokratie in Wien - noch heute spricht man vom Roten Wien. Die Erste Republik war gezeichnet von Auseinandersetzungen zwischen den politischen Parteien. Diese führten 1934 zu Kämpfen, denen auch der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Zuge eines Attentats zum Opfer fiel.

1938 marschierte Hitler in Österreich ein und gab den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland bekannt. Die Mehrheit der Wiener Bürger begrüßte bei der späteren Volksabstimmung den Anschluss und auch der Antisemitismus hat in Wien Anklang gefunden. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurden in Wien 92 Synagogen zerstört, lediglich eine im 1. Bezirk blieb von den Brandanschlägen verschont. Von den 200.000 in Wien ansässigen Juden wurde etwa ein Viertel ermordet. Die Stadt hatte während des Krieges häufig mit Luftangriffen zu kämpfen. Wien galt als Verteidigungszone in den letzten Kriegstagen, was bedeutete, dass der Kampf bis zum bitteren Ende geführt werden sollte. Im März 1945 erlitt Wien 17 Luftangriffe und insgesamt kamen in diesen Tagen 40.000 Menschen ums Leben. Viele Gebäude wurden in Brand gesetzt und zerstört. Nach zehnjähriger Besatzung durch die Alliierten wurde 1955 der Staatsvertrag unterzeichnet. Mit dem Erhalt der Freiheit konnte Österreich sich wieder neue Ziele für die Zukunft setzen. Es wurde viel restauriert, gebaut und erneuert. Wien erhielt ihre erste U-Bahn- Linie 1978 - seitdem wird die U-Bahn ständig erweitert.

Mit dem Zerfall des Eisernen Vorhangs hat Wien an Bedeutung verloren. Es war notwendig, sich neu zu orientieren, da keine der Konkurrenzstädte wie Prag oder Bratislava schlafen. Mit dem Beitritt Österreichs zur EU 1994/95 will man Wien weiter in die wirtschaftliche und politische Gemeinschaft Europas eingliedern.

Lage:

Informationen:

Ort: Wien

Land: Österreich

Besucht am: 02.2012 - 05.2012

Fläche: 414,87 km²

Einwohner: 1.867.582 (01.01.2017)

Bilder:

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Schloss Schönbrunn

In einem am Hang eines 60 m hohen Hügels gelegenen Augebiet des Wienflusses wird 1311 die Khattermühle erstmals urkundlich erwähnt, eine von etlichen Mühlen dieser Gegend. Sie ging 1312 mitsamt dem Areal in den Besitz des Stiftes Klosterneuburg über und wurde nach mehrfachem Besitzerwechsel 1548 vom späteren Wiener Bürgermeister Hermann Bayr erworben, der neben der Mühle seinen Herrensitz errichtete, die sogenannte Katter- oder Gatterburg. Am 8. Oktober 1569 erwarb Kaiser Maximilian II. das weitläufige Grundstück, ließ es einfrieden und bestückte es mit Feder-, Rot- und Schwarzwild, um es zur Jagd zu nutzen. Er ließ Fischteiche anlegen und in einem gesonderten Bereich exotische Vögel wie Truthühner und Pfauen halten. Die Bezeichnung Fasangarten für den hinteren, nicht öffentlich zugänglichen Teil des Grundstücks weist heute noch darauf hin. Die Mühle wurde im folgenden Jahr abgetragen. Im nun bereits existierenden Tiergarten ließ Maximilian 1570 ein Jagdschloss errichten. Der Bau eines Schlosses war noch nicht vorgesehen: Maximilian ließ zu dieser Zeit auf der anderen Seite der Stadt Schloss Neugebäude erbauen, wo er auch eine Menagerie einrichtete.

Rudolph II. erbte schließlich die Katterburg. Dessen Nachfolger, Kaiser Matthias (1557-1619), ließ das Jagdschloss nach der Zerstörung durch die Ungarn im Jahre 1605 wieder aufbauen und entdeckte während einer Jagd jene Quelle, den "Schönen Brunnen", die dem Schloss den Namen geben sollte. Kaiser Ferdinand II. (1578 - 1637) und seine Gattin Kaiserin Eleonora von Gonzaga übernahmen den Besitz und nutzten ihn gemeinsam für Jagdgesellschaften. Als Ferdinand der II. starb, belebte seine Witwe Eleonora das Grundstück mit regem gesellschaftlichem Betrieb. Für diesen Zweck ließ sie um 1642 das - erstmals urkundlich als Schönbrunn bezeichnete - Lustschloss bauen.

Im Zuge der Zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683 wurde die gesamte Anlage - das Schloss mit seinen Nebengebäuden und allen zugehörigen Gärten - bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt. Zwar bat Eleonora Magdalena Gonzaga darum, wenigstens zwei Zimmer und einen Saal wiederherzustellen, starb aber 1686, bevor es dazu gekommen war. Erst 1687 gab Leopold I. für seinen Thronfolger Joseph I. einen repräsentativen Neubau in Auftrag. Der soeben zugewanderte Johann Bernhard Fischer, der spätere Fischer von Erlach, schlug 1688 eine pompöse Anlage vor, die Schloss Versailles übertroffen hätte, aber nicht finanzierbar gewesen wäre. Stattdessen wurde der Architekt 1693 mit einer weitaus kleineren Anlage beauftragt, die 1696-1701 über den Trümmern der früheren errichtet und ab 1700 bewohnt wurde.

Das Projekt blieb aber unvollendet, bis es 1728 von Kaiser Karl VI. erworben und seiner Tochter Maria Theresia geschenkt wurde. Die Barockarchitektur nach den Plänen des zweiten Entwurfes von Fischer von Erlach wurde während ihrer Regentschaft von Nikolaus Pacassi und Vamagini adaptiert und ausgestattet. Es fanden verschiedene Umbauten statt, Freitreppen wurden angelegt (Blaue Stiege). In einem Seitentrakt des Schlosses befindet sich das Schlosstheater, das 1747 eröffnet wurde und wo unter anderem Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart auftraten. Maria Theresia ließ den Garten erweitern, 1752 die Menagerie und 1763 durch Adrian van Steckhoven den botanischen Garten anlegen.

Um 1765 wurde Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg, ein Vertreter des Frühklassizismus, bei Hof eingeführt, doch enthielt sich Maria Theresia nach dem Tod ihres Gemahls sieben Jahre lang größerer baulicher Änderungen. Erst 1772 gab sie solche in Auftrag. Hohenbergs markantestes Werk ist die Gloriette (um 1860 auch "das Gloriett" genannt). Das Bauwerk ist ein Arkadengang auf dem Hügel oberhalb des Schlosses (auch Schönbrunnerberg genannt), der den Schlossgarten optisch abschließt. Gemeint ist sie als Denkmal für den gerechten Krieg (der zum Frieden führt), an der Stelle, wo nach dem ursprünglichen Plan Fischer von Erlachs das Hauptgebäude entstehen sollte, und nach dem zweiten Entwurf ein Belvedere. Zur selben Zeit wie die Gloriette entstanden auch die römische Ruine und der Obeliskbrunnen, die ebenfalls nach den Plänen von Hohenberg ausgeführt wurden.

1805 und 1809 hielt sich Napoleon mit seinem Gefolge im Schönbrunner Schloss auf, als die Franzosen Wien besetzt hatten. Am 15. Dezember 1805 wurde hier der Vertrag von Schönbrunn zwischen Preußen und Frankreich unterzeichnet und am 14. Oktober 1809 der noch bedeutendere Friede von Schönbrunn zwischen Frankreich und Österreich. 1830 wurde in Schönbrunn Franz Joseph geboren, der das Schloss auch als Kaiser bewohnte, zum Teil neu ausstattete und möblierte. Für ihn und seine Gattin Kaiserin Elisabeth (auch bekannt als Sisi), sowie für ihre Kinder, wurden eigene Apartments eingerichtet.

Das in der Monarchie zum Hofärar zählende Schlossareal fiel 1919 auf Grund des Habsburgergesetzes in die Verwaltung des republikanischen Staates, ab 1920 des Bundes (heutige Aufsichtsbehörde: Wirtschaftsministerium). Während des Zweiten Weltkrieges fielen mehr als 270 Bomben innerhalb von Schönbrunn, 1945 bis 1947 war Schönbrunn Hauptquartier der russischen und britischen Besatzungstruppen. Sowjetische Truppen, die das Gebiet im April 1945 besetzten, verhielten sich in diesem Fall vorbildlich. Das Schloss war während der Besatzungszeit vom Herbst 1945 an Hauptquartier der britischen Besatzungsmacht, zu deren Wiener Sektor die beiden angrenzenden Bezirke 12 und 13 gehörten. Dies verhinderte Plünderungen und beförderte auch die baldige Reparatur der gröbsten Schäden.

1948 konnten Teile des Schlosses wieder besichtigt werden. 1955 zogen die Briten wie die anderen drei Besatzungsmächte aus Österreich ab. Die Verwaltung des Schlosses, lang einem Schlosshauptmann genannten Beamten des Handels-, Bauten- bzw. Wirtschaftsministeriums und seinen Mitarbeitern übertragen, wurde 1992 der dazu gegründeten, in Staatsbesitz befindlichen Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft m.b.H. übertragen. Die Gesellschaft ist seither in der Lage, die Erhaltung und Restaurierung des Schlosses aus eigenen Einnahmen zu finanzieren. Der Schlosspark wird von den Bundesgärten betreut, der Tiergarten wird von einer eigenen, ebenfalls staatseigenen GmbH verwaltet. 1996 wurden Schloss und Park zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Stephansdom

An Stelle der Kirche scheint schon im Frühmittelalter ein Friedhof gewesen zu sein, einige Gebäude sind archäologisch gesichert. Die Anfänge des Domes gehen auf das Jahr 1137 zurück, aus dem der Tauschvertrag von Mautern zwischen Markgraf Leopold IV. und dem Bischof von Passau überliefert ist. Dabei wurden Güter ausgetauscht, um dem Bischof zu ermöglichen außerhalb der damaligen Stadt eine Kirche zu bauen, die dem Heiligen Stephan geweiht sein sollte, dem Bistumspatron von Passau. Die anderen Kirchen im damaligen Wien, die Ruprechtskirche und die Peterskirche waren nach Salzburger Heiligen benannt - das Patrozinium der Kirche war also ein "politisches" Signal. Die erste Kirche wurde 1147 fertiggestellt und war für die damalige Stadt völlig überdimensioniert - es könnte also damals schon Bestrebungen gegeben haben, sie in eine Bischofskirche zu verwandeln. Geostet ist die Kirche auf den Sonnenaufgang des 26. Dezember 1137.

1230-1245 entstand ein weiterer spätromanischer Bau, von dem das Westwerk noch erhalten ist. Dies besteht aus den beiden Heidentürmen und dazwischen dem Riesentor. Der Ursprung beider Namen ist unklar, "Heidentürme" kommt vielleicht von den Steinen, die von altrömischen Ruinen stammten, über dem Riesentor war ein Mammutknochen aufgehängt. Oberhalb des Tores war eine "Herzogsempore", ähnlich dem Kaiserstuhl Karls des Großen in Aachen und den Westemporen der Kaiserdome. 1258 brach ein Brand aus, die Obergeschoße der Heidentürme wurden erst danach gebaut. Die feierliche Weihe erfolgte 1263. Zwischen 1304 und 1340 wurde ein vergrößerter Chor gebaut, nunmehr schon im gotischen Stil. Nach den Herzögen Albrecht I. und Albrecht II., die diesen Bau vorantrieben, spricht man vom Albertinischen Chor.

Das Herzogtum Rudolfs IV. war in zweierlei Hinsicht bedeutsam für die Kirche: zum einen wurde 1359 der Grundstein für den gotischen Neubau des Langhauses gelegt, andererseits wurde ein von Passau unabhängiges Domkapitel eingerichtet, da es auch Rudolf IV. nicht gelingen wollte, Wien zum Bischofssitz zu erheben. Dieses Domkapitel hatte ein Allerheiligenpatrozinium, das seitdem das zweite Patrozinium des Domes ist. 1433 konnte der Südturm vollendet werden. Das gotische Langhaus konnte noch vor 1474 beendet werden, es wuchs wie eine äußere Zwiebelschale um das romanische Langhaus, das dann 1430 abgebrochen werden konnte. Zur selben Zeit wurde auch der Dachstuhl fertig, die Einwölbung des Langhauses begann 1446 unter dem Baumeister Hans Puchsbaum. 1469 endlich wurde Wien zum Bistum Wien erhoben, der Stephansdom wurde zur Kathedrale. 1450 legte Friedrich III. den Grundstein für den Nordturm, wobei der Legende nach der Wein eines ganzen Jahrganges als Bindemittel verwendet wurde. Dieser Turm war aber schon viel zu groß und viel zu prunkvoll konzipiert, zumal die Zeit der gotischen Kathedralen sich ihrem Ende zuneigte. Die Bauarbeiten endeten 1511, 1578 wurde auf den Turm eine Renaissance-Haube daraufgesetzt, die nach dem Baumeister Hans Saphoy Saphoysche Haube heißt.

Von 1511-1515 übernahm der Bildhauer und Baumeister Anton Pilgram die Leitung der Bauhütte und schuf u.a. die berühmte Kanzel, an der auch sein Selbstbildnis zu finden ist. Die Innenaustattung wurde 1647 barockisiert, vor allem der Hochaltar von Tobias Pock stammt aus dieser Zeit. Während der Türkenbelagerung 1683 wurde der Dom durch türkische Kanonenkugeln beschädigt. Aus den Kanonen der Belagerer wurde danach die große Glocke (die Pummerin) gegossen. 1862 wurde die Spitze des Nordturms abgetragen und mit einer Eisenkonstruktion verstärkt wieder aufgebaut. Dieser Vorgang musste einmal wiederholt werden, da die Spitze schief geworden war. Mehrere Phasen dieses Vorganges sind auf Aquarellen von Rudolf von Alt zu sehen. Der Dom wurde im April 1945 durch die US-Luftwaffe bombardiert, wobei das Dach leicht beschädigt wurde. Am 12. April 1945, dem Tag als die Sowjetarmee in Wien einmarschierte, entstand auch am Stephansdom durch Funkenflug der brennenden umliegenden Gebäude ein Brand, der den Dom sehr stark beschädigte. In den Jahren nach dem Krieg wurde er aber wieder aufgebaut.

Schloss Belvedere

Eugen von Savoyen kaufte 1697 den größten Teil, rund 88.400 m² 1693-1695 vom kaiserlichen Leibarzt Dr. Franz Stockhammer erworbenen Grundstücke am Rennweg im Gaisruck, die dieser zu einem Lustgarten gestaltet hatte. Am Gelände befand sich ein Lustgartengebäude. Zukäufe tätigte Eugen nachweislich 1706 (rund 20.125 m² aus dem Besitz von Gotthard Heinrich Graf und Herr von Salburg zu Salaberg, zuvor Besitz des Wiener Bürgerspitals), 1708 (rund 11.500 m² von Daniel Kellners Witwe), 1716 (rund 5750 m² vom Nikolaikloster) und 1721 (rund 29.770 m² vom Bürgerspital). Damit standen für den Bau des Belvedere insgesamt 155.545 m² zur Verfügung. Die Differenz zur heutigen Fläche von 165.270 m² erklärt sich hauptsächlich aus Arrondierungen 1754-1770. Bis 1713 ließ Eugen auf dem Gartenareal keine neuen Gebäude errichten. Das auf dem Stadtplan von Anguissola-Marinoni erkennbare Gebäude an der Stelle des Unteren Belvedere ist das von Stockhammer 1694-1697 erbaute Lustgebäude.

Die wichtigsten Bauteile der Anlage sind das Untere und das Obere Belvedere. Als erstes der beiden baute Johann Lukas von Hildebrandt 1712 bis 1716 das Untere Belvedere. Hier wurde ein Wohnappartement für Prinz Eugen angelegt. Darauf entwarf Hildebrandt einen Plan für das Obere Belvedere, das als Repräsentations- und Festschloss 1717 bis 1723 errichtet wurde (1723 Gewährung der Steuerfreiheit). Für die Innenausstattung des Oberen Belvedere war Claude le Fort du Plessy verantwortlich. Die Umgestaltung des Stockhammerschen Parks wurde bereits ab 1700 nach Plänen des bayerischen Garteningenieurs Dominique Girard begonnen, parallel zu den beiden Schlossbauten weitergeführt und 1725/1726 abgeschlossen. Von großer Bedeutung war für Anlage und Ausbau des Gartens die Wasserversorgung. 1707 erhielt Eugen die Erlaubnis, den Wasserbedarf für seinen Garten aus der kaiserlichen Wasserleitung zu decken. 1713 ließ er die Planken der Einfriedung des Gartens durch eine Mauer ersetzen. Der Kauf des Nikolaus-Kloster-Areals (1716) hatte Platz für die Anlage des Tiergartens (Menangerie) geschaffen, die 1719 vollendet war. Der Ankauf des Bürgerspitalareals (1721, bereits während des Schlossbaues) ermöglichte die Ausdehnung der Anlage bis zum Linienwall (errichtet 1704). Hier wurde der große obere Teich angelegt (der im Vormärz von Schlittschuhläufern frequentiert wurde). Mit dem Bau einer neuen Wasserleitung (aus Brunnstuben in Ober-St.-Veit) wurde der Bau der Anlage 1725/1726 abgeschlossen.

Nach dem Tod Eugens erbte seine Nichte Viktoria (vermählte Herzogin von Sachsen-Hildburghausen) das Palais mit allen seinen Kunstschätzen. Eugen hatte den Besitz 1733 durch Zukäufe arrondiert. Viktoria verkaufte sukzessive die Sammlungen und schließlich 1752 das Belvedere selbst, nämlich an Maria Theresia. Sie selbst übersiedelte nach Turin. Maria Theresia ließ das Belvedere 1754 dem k. k. Ärar einverleiben. In ihrer Ära malte Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, seine Ansicht von Wien mit dem so genannten Canaletto-Blick. Das Gemälde gibt den Blick vom nordwestlichen Pavillon im ersten Stockwerk des Oberen Belvedere wieder und befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum. In unmittelbarer Nähe des Schlosskomplexes wurde ab 1754 der botanische Garten angelegt. 1775-1777 wurde auf Veranlassung von Kaiser Joseph II. die kaiserliche Gemäldegalerie neu geordnet und aufgestellt. Die umfangreiche, bis dahin in der Stallburg untergebrachte Sammlung wurde ins Obere Belvedere überführt. Die Aufstellung erfolgte nach Schulen und Chronologie. Besonders hervorzuheben ist die Integrierung älterer deutscher Meister. Die Sammlung wurde 1890 in das neu errichtete Kunsthistorische Museum am Ring gebracht. Das Untere Belvedere wurde zum Sitz der Ambraser Sammlung, die 1806 als kaiserliches Privateigentum aus Schloss Ambras bei Innsbruck nach dem Verlust Tirols hierher überführt worden war. Eine Aufstellung konnte erst 1813 realisiert werden. Die Sammlung wurde in das 1891 eröffnete Kunsthistorische Museum am Ring gebracht.

Das Obere Belvedere stand bis 1894 leer und wurde in diesem Jahr als Residenz des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand eingerichtet, der dort 1904 bis 1914 wohnte. Emil von Förster, der für die Renovierung und Adaptierung verantwortlich zeichnete, nahm wesentliche Veränderungen vor. In einem Nebengebäude (Kustodentrakt) wohnte dank kaiserlicher Zuwendung Anton Bruckner, der hier am 11. Oktober 1896 starb (Gedenktafel, enthüllt 9. Oktober 1921). Im Unteren Belvedere wurde 1903 die Moderne Galerie eröffnet, die 1912 in Österreichische Galerie umbenannt wurde. Der Zusammenbruch der Monarchie brachte ab 1919 wesentliche Änderungen. Die Republik übernahm mit dem ärarischen Besitz auch das Schloss Belvedere Die museale Nutzung wurde auf den gesamten Schlosskomplex ausgeweitet. Aus der anfangs nur provisorischen Unterbringung der Österreichischen Galerie 1903 im Unteren Belvedere wurde eine Dauereinrichtung. Ab 1924 wurde auch das Obere Belvedere von der Österreichischen Galerie genutzt. Am 6. April 1919 wurde der obere Teil des Belvederegartens, der sogenannte "Teichhof", für die Allgemeinheit geöffnet. 1936 erwog man, im Belvedere den Amtssitz für Bundeskanzler Kurt Schuschnigg einzurichten. 1945 erlitt das Belvedere Kriegsschäden, die in der Folgezeit behoben werden konnten. Am 31. März 1950 wurde das "Goldkabinett" im nordöstlichen Eckpavillon des Oberen Belvederes durch Brand zerstört, der westlich anschließende Saal beschädigt. Seit 1954 ist es als Kopie des nordwestlichen Eckpavillons gestaltet. Im Belvedere wurde am 15. Mai 1955 im Marmorsaal der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet.

Wiener Riesenrad im Prater

Das Riesenrad wurde 1896 von den englischen Ingenieuren Walter Basset Basset (1864-1907) und Harry Hitchins geplant und mit 30 Waggons auf einem von Gabor Steiner, dem eigentlichen "Vater des Riesenrades", gepachteten Grundstück auf dem Prater-Gelände errichtet. Als eigentlich ausführender Chefkonstrukteur wirkte Hubert Cecil Booth mit. Am 25. Juni 1897 wurde das Rad erstmals in Bewegung gesetzt, allerdings führte es nur eine halbe Umdrehung aus, damit der obere Teil nach unten gebracht und fertig montiert werden konnte. Eröffnet wurde es 1897, ein Jahr vor der Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I. Die offizielle Einweihung des Riesenrads erfolgte am 3. Juli 1897, einem heißen Sommertag, an dem die Wiener das Prater-Gelände in großer Zahl besuchten. Nur die wenigsten dürften allerdings in der Lage gewesen sein, die acht Gulden aufzubringen, die damals eine Fahrt mit dem Riesenrad kostete. Ein Beamter verdiente damals 30 Gulden im Monat.

Während des Ersten Weltkrieges, im Jahre 1916, wurde der britische Eigentümer des Riesenrades, Walter Basset, enteignet und die Attraktion zur Versteigerung ausgeschrieben. Erst drei Jahre später, 1919, erwarb es der Prager Kaufmann Eduard Steiner, der es ursprünglich abreißen lassen wollte, es aber schließlich verpachtete. 1938 wurde das Riesenrad wie das gesamte Eigentum von Eduard Steiner von den Nationalsozialisten "arisiert". Ein Jahr später wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Riesenrad durch Feuer und Bomben fast gänzlich vernichtet und brannte 1944 aus. Im selben Jahr verstarb Gabor Steiner in seinem Exil in Beverly Hills. Eduard Steiner, der letzte rechtmäßige Besitzer vor der "Arisierung", wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet. 1953 wurde das Riesenrad von drei Steiner-Erbinnen restituiert.

Wegen der Brandschäden des Krieges ging man nach 1945 davon aus, dass die Stabilität des Riesenrads gelitten habe. Daher wurden nur noch 15 der 30 Waggons wieder eingehängt. Aus Kostengründen wurden nur 4 statt der ursprünglich 6 Fenster eingebaut. Noch 1957, als der Eigentümer aus Anlass des 60-Jahr-Jubiläums des Fahrgeschäfts alte Waggons austauschen ließ, wurde wegen zu schwacher Frequenz an der Zahl von 15 Waggons festgehalten. Das Riesenrad mit 15 Waggons wurde ein Symbol des Wiederaufbaus. Seit 2002 befindet sich beim Riesenrad eine "Panoramamuseum" genannte Ausstellungshalle mit acht nachgebauten Waggons, in denen die Geschichte des Wiener Praters dargestellt wird. 2016 wurde begonnen, die 15 Waggons gegen neue auszutauschen, die nach den Originalplänen von 1896/97 gebaut werden. Damals hatten die Waggons sechs Fenster pro Seite.

Das Wiener Riesenrad hat einen Gesamtdurchmesser von 60,96 Meter (von 200 engl. Fuß abgeleitet), was dem Durchmesser über die Aufhängungsachsen der Waggons entspricht. Der äußere Raddurchmesser beträgt 55,78 Meter (183 Fuß), der innere Raddurchmesser 49,68 Meter (163 Fuß). Der höchste Punkt befindet sich 64,75 Meter über dem Boden. Das Gewicht der rotierenden Konstruktion beträgt 244,85 Tonnen und das Gesamtgewicht aller Eisenkonstruktionen 430,05 Tonnen. Die Achse des Riesenrades ist 10,78 Meter lang, hat einen Durchmesser von 0,5 Meter und wiegt 16,3 Tonnen. Der Antrieb erfolgt über zwei Motoren mit einer Leistung von 15 Kilowatt, die über eine Achse miteinander verbunden sind. Sie treiben über Riemen zwei Schwungräder an. Über Riemenscheiben und je ein zweistufiges Getriebe wird die Antriebskraft in die zwei Seiltriebe an den Außenseiten des Radkranzes eingeleitet, die Übertragung des Drehmomentes erfolgt über Reibungsbacken. Das Seil wird durch ein 3,5 Tonnen schweres Gewicht auf Spannung gehalten. Obwohl jeder der beiden Motoren allein das Rad bewegen könnte, sind zur Sicherheit noch zwei weitere, kleinere Motoren in das Antriebssystem integriert; die Stromversorgung hält bei Stromausfall ein Notstromaggregat aufrecht. Letztlich ist das Kraftübertragungssystem so ausgelegt, dass das Riesenrad auch per Hand gedreht werden kann. Die Umfangsgeschwindigkeit des Riesenrads beträgt maximal 0,75 Meter pro Sekunde (2,7 Kilometer pro Stunde), die Zeit für eine vollständige Umdrehung beläuft sich somit auf 255 Sekunden. Die tatsächliche Dauer für eine Umdrehung ist wesentlich länger und hängt vom Passagieraufkommen ab, da im längsten Fall das Riesenrad jeweils nur um die Wegstrecke zwischen zwei Waggons weiterbewegt wird, um die Passagiere ein- und aussteigen zu lassen.