Vilnius

Geschichte:

Archäologischen Untersuchungen nach war das Areal der Stadt bereits im steinzeitlichen Magdalénien besiedelt. Weitere Fundstellen im Stadtgebiet wurden auf das 4. Jahrtausend und das 2. Jahrhundert vor Christus datiert. Im Frühmittelalter siedelten an diesem taktisch vorteilhaften Ort zuerst wohl Balten, später Slawen und seit dem 11. Jahrhundert auch Juden. Bereits im 10. Jahrhundert war auf dem heutigen Stadtgebiet eine hölzerne Befestigungsanlage errichtet worden, um die herum eine Siedlung entstand. Im Jahre 1323 während der Regierungszeit des Grossfürsten Gediminas (geboren 1275 - verstorben 1341, neben Mindaugas und Vytautas zählt Gediminas zu den großen Regenten in der litauischen Geschichte) wird Vilnius als Hauptstadt von Litauen erstmalig urkundlich erwähnt. 1387 wird Vilnius das Stadtrecht durch den damaligen Grossfürst Jogaila (1348 - 1434, christianisiert Litauen, schliesst eine Union mit dem Königreich Polen, von 1386 bis 1434 König von Polen) erteilt.

Im 14. und 15 Jh. blüht Vilnius als eines der Handel-, Industrie- und Kulturzentren in Osteuropa auf, Litauen wird mit seinen angeschlossenen Ländern zu einem der grössten Staaten in Europa. 1495 werden in Vilnius die ersten Goldschmiede- und Schneiderzünfte gegründet. 1501 wird das Wasserleitungssystem von Vilnius in Betrieb genommen. 1522 wird durch Franciskus Skoryna die erste Druckerei in der Stadt gegründet, Vilnius wird im Verlauf der nächsten Jahre zu einem der bekanntesten Zentren des Buchdrucks in ganz Europa. 1569 verliert Vilnius an die Lubliner Union (Warschau wird Zentrum des neuen riesigen vereinten Reiches) seinen Einfluss als verwaltende Hauptstadt. Es wird ein gemeinsamer litauisch-polnischer Staat gegründet. 1579 wird die von Jesuiten gegründeten Schule in Vilnius der Status als Universität zuerkannt. Die Universität in Vilnius wird zum wichtigsten Kulturzentrum der Region.

1795 annektiert Russland (bei der Dritten Teilung der Republik) Litauen, viele der Bewohner von Vilnius, welches nun ein russisches Gouvernement ist, werden ermordet oder in östliche Regionen des russischen Reiches vertrieben. In den Jahren 1830 / 1831 vollzog sich der Nationale Befreiungsaufstand der Völker gegen die Verwaltungsmacht Russland, welcher durch die Politik der russischen Willkürherrschaft und Unterdrückung ausgelöst wurde. Nach der Niederschlagung des Aufstandes im Jahre 1831 schliesst die russische Verwaltung die Universität Vilnius, die katholischen Kirchen werden in orthodoxe umgewandelt und die vorhandenen Klöster zu Kasernen umfunktioniert oder geschlossen. 1869 wird durch die Industrialisierung die Bahnstrecke von Sankt Petersburg über Warschau bis Vilnius verlegt, eine Erzgiesserei und Tabakfabrik gegründet und die erste Bierbrauerei in Vilnius eröffnet. 1886 bis 1902 wird Vilnius zum Zentrum der nationalen Wiedergeburt und im Jahre 1904 das (1864 verhängte) litauische Presseverbot aufgehoben.

1918 wird am 16. Februar der unabhängige Staat wiederhergestellt. 1920 besetzt Polen das Vilnius-Gebiet, die neue Hauptstadt ist nun Kaunas. 1939 / 1940 wird die Unabhängigkeit von Litauen mit der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Paktes zwischen der damaligen Sowjetunion und Deutschland aufgehoben. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wird die Altstadt von Vilnius auch getroffen, doch viele der Monumente bleiben vom Bombenhagel verschont. 1940 bis 1953 führt die russische Besatzungsmacht Massenvertreibungen durch, Litauen verliert dadurch rund ein Drittel seiner Bewohner. 1945 wird Litauen Mitglied der Vereinten Nationen. Für die Mitgliedschaft sorgen ausgewanderte Staatsmänner des ehemaligen litauischen Staates. Nach dem Krieg besetzte die Sowjetunion Litauen und etablierte dort gegen den Widerstand der Bevölkerung eine Sowjetrepublik. Diese Besetzung wurde vom Westen nie anerkannt, aber hingenommen.

1990 erklärte sich Litauen, im Zuge der Perestrojka, zum souveränen Staat, stieß hierbei aber auf den bewaffneten Widerstand der sowjetischen Regierung. Am 11. März 1990 erklärt der oberste Rat die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens. 1991 wird Litauen als unabhängiger Staat Mitglied der Vereinten Nationen, und erlangte (wie auch die Nachbarländer Lettland und Estland) nach einem Referendum am 9. Februar 1991 seine Unabhängigkeit wieder. Im März 2004 tritt Litauen der NATO und im Mai der Europäischen Union bei. Die Stadt Vilnius ist nun nach einer langen und wechselhaften Geschichte Hauptstadt eines der EU- und NATO-Mitgliedsstaaten.

2009 wird Vilnius Kulturhauptstadt von Europa, für Litauen, das im Jahr 2009 auch den 1000. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung feiert, ist es eine grosse Möglichkeit Vilnius als Kulturhauptstadt und das Land Litauen (nicht nur in Europa) vorzustellen.

Lage:

Informationen:

Ort: Vilnius

Land: Litauen

Besucht am: 29.04.- 01.05.2017

Fläche: 401 km²

Einwohner: 537.152 (2013)

Gegründet: 1387

Bilder:

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Kathedrale St. Stanislaus

Die Kathedrale in Vilnius kann als erste Kirche auf litauischem Boden angesehen werden. Ein erster Bau wurde wohl bereits zu Zeiten König Mindaugas im 13. Jahrhundert errichtet. Mindaugas war 1251 aus politischen Gründen zum Christentum übergetreten und ließ aus diesem Anlass an Stelle einer heidnischen Kultstätte eine kleine gotische dreischiffige Kirche auf quadratischem Grundriss mit einem Chor errichten. Ihre Überreste wurden Ende des 20. Jahrhunderts unter der heutigen Kirche gefunden. Nach Mindaugas' Tod im Jahre 1263 übernahmen wieder heidnische Priester das Sagen, und unter dem Burgberg dürfte wieder ein heidnischer Tempel gestanden haben. Die tatsächliche Christianisierung Litauens erfolgte erst im ausgehenden 14. Jahrhundert, als sich Großfürst Jogaila taufen ließ, um die polnische Königskrone zu erhalten. Um die Ernsthaftigkeit seiner Taufe zu unterstreichen, ließ Jogaila 1387 erneut eine Kirche erbauen. Bereits im Folgejahr weihte Erzbischof Bodzanta aus Gnesen anlässlich der Ernennung Jogailas zum König von Polen die neue Kirche als Sitz des Bischofs von Vilnius. Gleichzeitig mit dem Bau der Kathedrale errichtete man eine Schule, die den theologischen Nachwuchs ausbilden sollte. Sie war damit die erste Schule in Litauen und bis zur Gründung des Jesuiten-Kollegs 1570 die wichtigste.

Jogailas Kirche brannte 1419 ab und Jogailas Vetter, Großfürst Vytautas, ließ eine neue gotische Hallenkirche errichten. Ihre Mauern bestimmen bis heute den Kirchenbau im Inneren. Im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts wurden zu beiden Seiten Kapellen angebaut. Brände im 16. und 17. Jahrhundert führten zum Umbau im jeweils aktuellen Baustil, Renaissance (1534-1557) und Barock (1612-1632). Zur gleichen Zeit wurde die bedeutende Kasimir-Kapelle errichtet (1624-1636; s.u.). Der Krieg mit Moskau 1654-1657 hinterließ schwere Schäden an der Kathedrale, so dass 1666-1676 umfangreiche Innenarbeiten durchgeführt wurden. Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte die Ausschmückung der Kasimir-Kapelle. 1769 stürzte durch Blitzschlag einer der beiden Kirchtürme ein, die beim barocken Umbau am Portal errichtet worden waren, und die Kirche musste geschlossen werden.

Das heutige klassizistische Aussehen geht auf das Projekt des litauischen Architekten Stuoka-Gucevicius zurück, das ab 1783 realisiert wurde. Nach 15 Jahren Bauzeit wurden die Arbeiten 1801 unter der Leitung des Architekten Michael Schulz abgeschlossen (Stuoka-Gucevicius war 1798 verstorben). Noch vor Abschluss der Arbeiten war allerdings das Bistum Vilnius nach der Eingliederung Litauens in das Russische Kaiserreich 1795-1798 aufgehoben und danach dem Erzbistum Mogiljow unterstellt worden. Bischöfe wurden an ihrer Amtsausübung gehindert und mit der Schließung der Universität verlor das Bistum sein Ausbildungszentrum. Als die Kasimir-Kirche nach dem polnisch-litauischen Aufstand 1831 in ein orthodoxes Gotteshaus umgewandelt wurde, kamen die Rokoko-Plastiken mit den Figuren litauischer Großfürsten, Heiliger und Apostel in die Nischen der Außenwände der Kathedrale.

Im Ersten Weltkrieg von den Deutschen geplündert, war die Kathedrale nach dem Krieg zwischen der polnischen und der litauischen Gemeinde umstritten. Mit der endgültigen Zuerkennung des Vilniusser Gebiets zu Polen gab es ab 1923 nur mehr polnisch sprachige Gottesdienste. 1925 wurde die Kathedrale Sitz des neuen Erzbistums Vilnius, während die bei Litauen verbliebenen westlichen Gebiete des ehemaligen Bistums Vilnius das neue Bistum Kaisiadorys bildeten. Nachdem 1931 Risse in den Wänden entdeckt worden waren, erfolgten 1932-1939 umfangreiche Renovierungsarbeiten, bei denen auch eine neue Krypta unter der Kasimir-Kapelle angelegt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kathedrale von den sowjetischen Behörden 1949 geschlossen. Nach knapp drei Jahren Leerstand, während dessen mehrmals eingebrochen und Kunstgegenstände geraubt wurden, wurde 1953 mit dem Umbau in eine Kunstgalerie begonnen, die 1956 eröffnet wurde. Der Sarg des heiligen Kasimir war bereits 1953 in die Peter-und-Paul-Kirche überführt worden.

1989 wurde die Kathedrale wieder an die katholische Kirche zurückgegeben und mit einem Gottesdienst am 5. Februar 1989 wieder geweiht. Am 3. März 1989, einem Tag vor seinem Namenstag, wurde der Sarg Kasimirs in einer feierlichen Prozession wieder aus der Peter-und-Paul-Kirche in die Kasimir-Kapelle gebracht.

Der frei stehende Glockenturm war ursprünglich ein runder Verteidigungsturm der Unteren Burg aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Schussluken an der Außenseite sind bis heute sichtbar. Seine Fundamente stehen mittlerweile 1,2 Meter tief im Erdboden. Es wird angenommen, dass er bereits im 15. Jahrhundert als Glockenturm diente und um ein achteckiges Geschoss im gotischen Stil erhöht wurde. Im 16. Jahrhundert wurde er um zwei weitere Geschosse erhöht (~1550 und 1598).[5] Nach dem Brand von 1610 musste auch der beschädigte Glockenturm wiederhergestellt werden. Die Uhren stammen aus dem 17. Jahrhundert, die Haube von 1897. Aufgrund seines Alters und des weichen Untergrunds steht der Turm mittlerweile leicht schief. Heute hat er eine Höhe von 52 m (57 m mit Kreuz).

Gediminas Burg

Der Komplex der Burg Gediminas in der litauischen Hauptstadt Vilnius wurde vom 10. bis zum 18. Jahrhundert errichtet. Sie befand sich auf einem 40m hohen Burgberg an den Ufern des Flusses Neris, nahe der Stelle, wo er in den Fluss Vilnia mündet und war Vilnius' bedeutendstes Bollwerk.

Die ersten Verteidigungsanlagen auf dem Gediminas-Hügel wurden im 10. Jahrhundert aus Holz errichtet und im 13. Jahrhundert durch eine Steinmauer befestigt. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Burg unter dem Großfürsten Gediminas ausgebaut und erweitert. Nachdem Vilnius zur litauischen Hauptstadt wurde, wurde auch die Gediminas-Burg ein beliebtes Ziel für feindliche Attacken.

Die gesamte Festung bestand aus drei Burgen, der Oberen Burg, der Unteren Burg und der Schiefen Burg. Letztere wurde im Jahr 1390 von den Deutschrittern niedergebrannt und nie wieder aufgebaut. Auch die anderen beiden Burgen wurden immer wieder vom Deutschritterorden angegriffen, die Eroberungsversuche waren hier jedoch nicht mit Erfolg gekrönt. Erst im Jahr 1655 in der Schlacht von Vilnius gelang es den Russen und Kosaken, die Gediminas -Burg einzunehmen, woraufhin die völlig zerstörte Verteidigungsanlage rasch an Bedeutung verlor und immer mehr verfiel. 6 Jahre danach konnte Vilnius zurückerobert werden, die Gediminas -Burg wurde jedoch nicht mehr aufgebaut und in den beiden Weltkriegen noch weiter zerstört. Der einzige Teil, der von der einst stattlichen Burganlage im Original heute noch übrig ist, ist der ziegelrote Gediminas -Turm von der Oberen Burg, der heute ein Wahrzeichen von Vilnius und von Litauen ist.

St. Anna Kirche

Die Kirche ist ein seltenes Beispiel der Gotik in Litauen, hier sogar im Stil der "flammenden" Gotik. Besonders an der Hauptfassade, aber auch an den Seiten findet sich eine Kombination aus geraden und geschwungenen Linien. Pilaster, Vierbündel, schlanke Stäbe, durchbrochene Türme und drei verschiedene Arten von Bögen (rund, spitz und geschweift) bestimmen die Fassadengestaltung. Möglicherweise symbolisiert die Fassadengestaltung die Säulen des Gediminas, eines der ältesten bekannten litauischen Symbole. Bis auf mehrere Renovierungen blieb die Gestalt der roten Backsteinkirche seit dem 15. Jahrhundert praktisch unverändert. Die Baudaten sind nicht genau bekannt, konnten jedoch in die Zeit zwischen 1495 und 1500 datiert werden. Der leitende Architekt war der böhmische Benedikt Ried, der auch Teile der Prager Burg schuf. Der Außenbau besteht aus 33 verschiedenen Backsteinarten und gilt als das Meisterwerk der litauischen Gotik.

Während das Äußere sehr ausdrucksstark ist, zeigt sich der Innenraum einfacher. Grund für das schmucklose Innenleben der Kirche sind Plünderungen und Verwüstungen während der napoleonischen Zeit. Der recht schlichte, einschiffige Innenraum ist mit barocken Seitenaltären geschmückt. Die Gewölbe tragen die Handschrift des 20. Jahrhunderts. Höhepunkt im Innenraum bilden die farbigen Fenster.

Zum Kirchenensemble gehören der frei stehende neogotische Glockenturm von Nikolai Taschagin aus dem 19. Jahrhundert und die barocke Kapelle der heiligen Stiege aus dem 17. Jahrhundert. Die Kapelle gehört eher zur Bernhardinerkirche (offiziell St. Franziskus und Bernhard). Sie ist eine der größten gotischen Kirchen der Stadt, welche barock ergänzt wurde, und bildet daher ein spannungsreiches Ensemble aus drei Kirchen. Zusammen mit dem Rest der Altstadt gehört die Kirche seit 1994 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Restaurierungen erfolgten 1902-1909 und 1960-1970. Seit 2009 werden Dach, Fassadenelemente und die Seitentürmchen erneut restauriert.

Bastei Vilnius

Als von außen Feinde drohten hat der litauische Großfürst Alexander (1492-1506) der Bitte der Bewohner von Vilnius stattgegeben und mit dem Privileg von 1503 den Bau der Wehrmauer genehmigt. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Wehrmauer verstärkt und auf dem Berg des Turmes die Bastei gebaut: ein Fortifikationsbau aus dem Erdreich und Mauer mit der Schutzfunktion, bestehend aus einem Turm, dem Artillerie-Teil und einem sie beide verbindenden Tunnel. Die Wehrmauer der Stadt samt Bastei wurden während des Krieges 1654-1667 mit dem Fürstentum Moskau stark beschädigt. Im Laufe der Zeit verlor die Bastei ihre Funktion. 1753 war sie noch in der Stadtkarte von Vilnius, die von Johann Georg Maximilian von Fürstenhof erstellt wurde, eingezeichnet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet um die Bastei zum Müllhaufen der Stadt, die Graben und Mauern wurden mit Erde zugeschüttet. Nach der Durchführung der Forschungs- und Wiederaufbauarbeiten in den Siebzigern und Achtzigern des 20. Jahrhunderts wurde 1989 in der Bastei das Museum eröffnet.