Geschichte:
Am 22. Juli 854 besiegelt König Ludwig der Deutsche in der Pfalz Hulma eine Urkunde und sorgt damit für die erste erhaltene Erwähnung der heutigen Großstadt.
Bis in das 12. Jahrhundert bauen die Staufer Ulm zu einem ihrer Hauptorte aus. Doch damit zieht auch die Katastrophe herauf: Während der erbitterten Kriege zwischen den Staufern und Welfen vernichtet der Welfenherzog Heinrich der Stolze von Bayern 1131 die Dörfer rings um die Pfalz, die er 1134 restlos zerstören läßt. Die Staufer geben Ulm aber nicht verloren: Pfalz und Siedlung werden wiederaufgebaut und mit einem Mauerring geschützt. Großer Beliebtheit erfreut sich Ulm unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Der bedeutendste Stauferkaiser hält bis 1183 mindestens sieben große Hoftage in der Pfalz ab, die seit 1181 Stadt ist. Der Königshof zieht Handwerker und Kaufleute wie ein Magnet an und so entwickelt sich Ulm bald zu einer Handelsmetropole.
Das 13. Jahrhundert bringt den Untergang für die Staufer und für das Reich heftige Thronkämpfe. Ulm bewahrt sich seine direkte Unterstellung unter Kaiser und König, baut sich eine bürgerschaftliche Selbstverwaltung auf und wird so "Freie Reichsstadt", die von den Patriziern regiert wird. Doch damit ist die Bevölkerung unzufrieden.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wollen die in den Zünften vereinigten Handwerker die Beteiligung am Rat der Ulmer Stadtregierung erzwingen. Dabei herrschen teilweise bürgerkriegsartige Zustände, es gibt Tote und Verletzte. Erst 1345 kommt die Stadt zur Ruhe: Im kleinen Schwörbrief wird den Zünften nicht nur die Mitwirkung am politischen Geschehen eingeräumt - sie ertrotzen sich sogar die Mehrheit im Rat. Von 31 Sitzen fallen künftig 17 an die Ulmer Zunftmeister.
Am 30. Juni 1377 wird der Grundstein zum Ulmer Münster gelegt. Immenses Selbstbewußtsein zeigt sich bei diesem Bau: die aufstrebende Stadt mit ihren etwa 10.000 Einwohnern baut eine gigantische Kathedrale mit Platz für über 20.000 Menschen. Finanziert wird das Bauwerk durch Spenden der Bürger.
Das 15. Jahrhundert bringt für Ulm den Höhepunkt seiner Macht und seines Reichtums: Ulmer Barchent- und Leintücher werden in Genua, Venedig, Genf, Lyon, den Niederlanden und sogar in England verkauft. Daneben ist die Freie Reichsstadt ein bedeutender Umschlagplatz für Eisen, Wein und Holz. Der Wohlstand drückt sich auch im Besitz der Stadt aus: Ulm gehören neben den drei Städten Geislingen, Albeck und Langenau insgesamt 55 Dörfer - keine andere Reichsstadt außer Nürnberg hatte jemals ein solch großes Stadtgebiet.
Im Jahr 1548 hebt Kaiser Karl V.den Großen Schwörbrief auf, verbietet die Zünfte und setzt einen Rat mit patrizischer Mehrheit ein. Der wirtschaftliche Niedergang beginnt. Die Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien bringt wesentliche Veränderungen der europäischen Handelswege und Märkte. In England und den Niederlanden entstehen neue Produktions- und Handelszentren.
1634/35 fallen rund 5000 Menschen der in Ulm wütenden Pest zum Opfer. Zu diesem Schlag kommt 1648 noch ein weiterer hinzu: die Stadt muß sich nach Ende des Dreißigjährigen Krieges an der vom Reich zu zahlenden Kriegsentschädigung mit 120.000 Gulden beteiligen. Weitere Kriege u.a. mit Bayern, Frankreich und Österreich führen dazu, dass Ulm immer weitere Schulden aufbaut. Das verarmte Ulm steht um 1770 vollends vor dem Bankrott.
Im Jahr 1802 ist es dann auch mit der noch auf dem Papier stehenden Unabhängigkeit vorbei. Als Entschädigung für die verlorenen Gebiete links des Rheins kommt Ulm zum Kurfürstentum Bayern und wird Hauptstadt der Provinz Schwaben. Doch nicht lange sind die Ulmer bayerische Untertanen: durch einen Staatsvertrag zwischen Bayern und Baden-Württemberg wird Ulm gegen den Willen der Bevölkerung 1810 zu einer königlich württembergischen Stadt. Die Grenze zu Bayern ist die Donau. Für Ulm hat das fatale Folgen: die Ulmer Gebiete jenseits des Flusses sind nun "Ausland", die Stadt ist von ihrem Hinterland abgeschnitten.
Von der ehemaligen Bedeutung Ulms ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kaum etwas übriggeblieben: die einst mächtige Reichsstadt ist zu einer nur noch 12.000 Einwohner zählenden Provinzstadt herabgesunken. Ins Rampenlicht der Geschichte kehrt Ulm aber bald wieder zurück: bis zu 8000 Arbeiter bauen von 1842 bis 1859 die gewaltige Bundesfestung mit 41 Festungswerken und einem neun Kilometer langen Mauergürtel.
lm zählt 1913 bereits 60.000 Einwohner, davon sind knapp 10.000 Soldaten. Nach dem ersten Weltkrieg bleibt es in Ulm relativ ruhig. Im Zweiten Weltkrieg wird die Stadt Ende 1944 und Anfang 1945 gleich mehrfach bombardiert. Der schwerste Bombenhagel geht auf die Ulmer am 17. Dezember 1944, dem dritten Adventssonntag, nieder: 707 Menschen kommen um, 613 werden verletzt, rund 25.000 Menschen verlieren das Dach über dem Kopf.