Pisa

Geschichte:

Pisa wurde als ein Etruskischer Hafen im mittleren 6. Jahrhunderts v. Chr. gegründet. Erste menschliche Niederlassungen können auf das 9. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Es gibt zahlreiche Hypothesen über die Entstehung Pisas: dass es griechisches Land gewesen sei, ein ligurisches Dorf oder eine Stadt der Etrusker. Die Etrusker nannten die Stadt "Pise" und kurbelten die Wirtschaft der Stadt durch Kunst und Schiffproduktionen an. Die Stadt war strategisch gesehen optimal gelegen, da sie sich am Arno und gleichzeitig so nah am Meer befindet. Nach den ersten Kämpfen gegen die Ligurier schloss sich Pisa mit Rom zusammen und beteiligte sich an dem Krieg gegen Karthago. Am Ende wurde die Stadt zu einer römischen Kolonie. Um das 15. Jahrhundert herum war Pisa den Lombarden unterworfen. Von da an entwickelte sich die Stadt zum Haupthafen des Tyrrhenischen Meeres und die Lombarden betrieben Handel mit Sardinien, Korsika, Spanien und Frankreich.

Pisas Macht wuchs auch aufgrund seiner Ausweitung bis zu den Ufern des Arno. Im 7. und 8. Jahrhundert wurde "Chinzica" auf der linken Uferseite und "Forisportam" außerhalb der römischen Mittelalterstadt errichtet. Im Jahre 1155 vereinte der Bau eines Grenzwalls alle drei Städte zu einer einzigen Stadt und Pisa wurde zum wichtigsten Flusshafen der ganzen Halbinsel. Der Hafen zog Händler aus dem ganzen Mittelmeerraum an und während des 11. und 12. Jahrhunderts wurde Pisa zu einer Seefahrerrepublik. Ab diesem Zeitpunkt wurde Pisa zu einem erfolgreichen Eroberer und verhinderte die islamische Ausbreitung, erreichte die sizilianische Küste, Nordafrika und Sardinien. Der erste Erzbischof von Pisa, Daiberto, hatte das Kommando über Pisas Flotte während des Ersten Kreuzzuges und wurde Patriarch von Jerusalem. Dank der Stärke der Flotte gründete Pisa Kolonien im Nahen Osten und pflegte wirtschaftliche Beziehungen mit dem Byzantinischen EMPIRE und der islamischen Welt. Pisa gründete außerdem Kolonien im Norden Afrikas und in verschiedenen byzantinischen Zentren, wie zum Beispiel Konstantinopel. Es gab dort ganze Gebiete mit Industrie, Häusern und religiösen Gebäuden. In dieser Zeit gewann Pisa seinen kulturellen und künstlerischen orientalischen Einfluss.

Der Fall der Seefahrerrepublik ereignete sich Ende des 13. Jahrhunderts, mit der Verteidigung von Genua in der Schlacht von Melora 1284. 1324 verlor Pisa Sardinien, das von der Krone Aragon beherrscht wurde und das komplette 13. Jahrhundert war geprägt von schrecklichen Unterdrückungen gegen Lucca und Florenz. 1406 wurde Pisa von den Florentinern, angeführt von Gino Capponi, aufgrund des korrupten Capitano del Popolo Giovanni Gambacorta, der die Tore von San Marco öffnen ließ, erobert.

Nach der Eroberung durch Florenz durchlebte Pisa eine Periode starken Rückschritts und politischer Instabilität. Die Ex-Republik versuchte, in verschiedenen Kriegen gegen Florenz zu rebellieren, aber 1509 eroberte Florenz ganz Pisa, nachdem siedas gesamte Proviant und die Versorgung blockiert hatten. Die strenge Kontrolle von Florenz verursachte einen Rückgang der Bevölkerung sowie die wirtschaftliche und kulturelle Verarmung. Der Fall Pisas wurde durch die Entscheidung von Florenz verursacht, alle gefährlichen Familien (300 Menschen) zu isolieren, indem sie eine strenge Besteuerung veranlassten und Maßnahmen gegen Händler und Zusammenarbeiten ergriffen, um Pisas Gegenwehr zu unterbinden. Es folgten Plünderungen und hohe Sterberaten aufgrund des Fiebers, das die Flut unter dem Volk verursachte. Am Ende des Jahrhunderts, als Lorenzo il Magnifico de Medici in Florenz herrschte, begann eine neue Ära für Pisa. Auf der einen Seite der Fortezza Vecchia (der alten Festung), die von der Medici Familie gebaut wurde, um die rebellierende Stadt zu kontrollieren, wurde der Palazzo di Sapienza gebaut, der heutige Sitz der renommierten Universität Pisas.

Die Renaissance in Pisa begann im 16. Jahrhundert, dank Cosimo I de Medici, der in der Stadt lange Aufenthalte verbrachte, abseits von Florenz. Der Herzog sorgte für Feldbewässerungssysteme sowie wirtschaftliche und rechtliche Erleichterungen, um die Bevölkerung der Stadt wieder zu erweitern. Außerdem änderte der Herzog das Erscheinungsbild Pisas: entlang der Ufer des Arno ließ er vornehme Wohnhäuser bauen wie beispielsweise den Palazzo Reale, die wunderschöne Kirche Santo Stefano dei Cavalieri und die Piazza dei Cavalieri. Pisas Entwicklung dauerte unter der Herrschaft von Francesco I und Ferdinano I an. Letzterer ordnete den Bau des Canale of Navicelli und der Loggia dei Bianchi an. Im 16. Jahrhundert hatte die Stadt mit vielen Unglücken zu kämpfen, mit einer Plage, dem Brand in der Kathedrale und dem Zusammensturz der Brücke, die die beiden Ufer des Arno miteinander verband: dem Pontevecchio. Florenz war das Zentrum der Macht, während der Hafen in Livorno von den Medici genutzt wurde.

Während des Großherzogtums der Toskana baute Peter Leopold die Universität weiter aus und plante einige Bereiche in Pisa um, u.a. die Ufer vom Arno, die unter der Flut gelitten hatten. Während der Invasion von Napoleon (1809-1814) wurde nach Napoleons Willen die berühmte Scuola Normale gegründet, die der "Ecole Normale" in Paris ähnlich war. Neue Bahnschienen wurden während der Herrschaft der Lorena gebaut, um die Kommunikation und die toskanische Wirtschaft zu erleichtern. Pisa nahm an den revolutionären Bewegungen des Risorgimeno teil und Mazzini lebte bis zu seinem Tod 1872 in Pisa. Im Zweiten Weltkrieg wurde Pisa stark vom faschistischen Regime unterdrückt. Am 31. August 1943 wurde Pisa von der amerikanischen Luftfahrt angegriffen und viele Viertel wurden zerstört. Andere Bombenangriffe verursachten den Verlust einzigartiger Kunstwerke. Letztendlich wurde Pisa befreit.

Lage:

Informationen:

Ort: Pisa

Land: Italien

Gegründet: 6. Jahrhundert

Besucht am: 02.03.2013

Fläche: 185 km²

Einwohner: 89.158 (Dez. 2015)

Web: Stadt Pisa

Web: Schiefe Turm

Bilder:

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Schiefe Turm von Pisa

Der Turm war als freistehender Glockenturm (Campanile) für den Dom in Pisa geplant. 12 Jahre nach der Grundsteinlegung am 9. August 1173, als der Bau bei der dritten Etage angelangt war, begann sich der Turmstumpf in Richtung Südosten zu neigen. Daraufhin ruhte der Bau rund 100 Jahre. Die nächsten vier Stockwerke wurden dann mit einem geringeren Neigungswinkel als dem bereits bestehenden gebaut, um die Schieflage auszugleichen. Danach musste der Bau nochmals unterbrochen werden, bis 1372 auch die Glockenstube vollendet war.

Der Grund für seine Schieflage liegt in dem Untergrund aus lehmigem Morast und Sand, der sich unter dem Gewicht verformt. Neuesten Ausgrabungen zufolge steht er am Rand einer ehemaligen Insel direkt neben einem antiken, zur Bauzeit bereits versandeten Hafenbecken. Die Schieflage des Turms beträgt nach Ende der Sanierungsarbeiten rund vier Grad, entsprechend einer Auslenkung an der Spitze von 3,9 m (bei rund 55,8 m Höhe). Im Inneren des Turmes hängt ein Pendel, welches oben in der Mitte befestigt ist, durch die Schieflage unten allerdings beinahe die Seitenwand berührt.

Der Legende nach hat der aus Pisa stammende Galileo Galilei bei Fallversuchen vom Turm die Fallgesetze entdeckt.

Der 55 Meter hohe und 12 Meter durchmessende Campanile besteht aus 14.200 Tonnen weißen Carrara-Marmors und hat sieben Glocken, die aber längere Zeit wegen der Einsturzgefahr nicht läuten durften. Er sollte der Höhepunkt der ganzen Anlage der Piazza dei Miracoli sein. Er unterscheidet sich von den üblichen quadratischen Türmen Mittelitaliens und steht in einem großen Gegensatz zu den spitz zulaufenden Türmen des nördlichen Europa. Er ruht auf einem spiralförmigen Fundament aus 700 m³ Bruchstein und Mörtel, in 100 Metern Höhe wollte sein Erbauer Bonanno die Glocken läuten lassen. Der Mauerring um diesen Bereich herum ist 3,57 Meter dick. Neben dem Eingang sind Monat und Jahr des Baubeginns eingemeißelt: August 1173. In Urkunden wird jedoch stets 1174 genannt, denn für die Pisaner begann nach damaligem Kalender das neue Jahr bereits am 25. März.

Jedes Stockwerk hat eine Tür hinaus auf die Säulengalerie, die jeweils aus 30 Säulen besteht. Auf der Südseite führen oben sechs Stufen zur Glockenstube hinauf, auf der Nordseite nur vier. Die Treppe zur obersten Aussichtsterrasse soll Brunelleschi inspiriert haben, einen ähnlichen Aufgang zur Laterne auf der Kuppel des Doms in Florenz zu bauen.

Vom 7. Januar 1990 an musste der 14.500 Tonnen schwere Turm für Besucher gesperrt werden, da die Schräglage zu gefährlich wurde. Es gab eine weltweite Aufforderung an Baustatiker, die besten Lösungen zur Stabilisierung auszuarbeiten und einzureichen. Nach 13-jährigen Sanierungsmaßnahmen, bei denen der Turm wieder um 44 Zentimeter aufgerichtet wurde, ist er seit Dezember 2001 wieder für Touristen geöffnet. Besuchergruppen können den Turm zu jeder vollen und halben Stunde in Gruppen von maximal 40 Besuchern für eine Dauer von 30 Minuten besteigen.

Im Jahre 1987 wurde das Ensemble aus dem Turm, dem Dom, dem Baptisterium und dem Friedhof von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Dom Santa Maria Assunta und Baptisterium

Buscheto di Giovanni Giudice begann mit dem Bau des Doms im Jahre 1063 auf dem Schwemmboden vor der alten Stadtmauer. Finanziert wurde das Bauwerk mit den im gleichen Jahr von den

Was die Datierung dieser Kathedrale und die historische Herleitung ihrer einzelnen Bauformen angeht, gibt es in der Forschung seit langem sehr unterschiedliche Ansichten. Eine offenbar am weitesten verbreitete Version kann mit genauen Zahlen aufwarten und mit den genauen Namen verschiedener Baumeister: Die Bauzeit des Pisaner Domes zog sich lange hin, aber der Gesamteindruck ist einheitlich. Der Dom war noch nicht fertig, da war der neue Baumeister Rainaldus um 1100 eigensinnig genug, den ursprünglichen Grundriss zu ändern, das Langhaus zu verlängern, den Lichtgaden zu erhöhen - die ursprüngliche Höhe ist noch am Querhaus zu sehen - und das untere Geschoss der Fassade zu errichten (auf dem mittleren Tor der Westfassade steht rechts oben die Inschrift: „Diese berühmte und prächtige Fassade wurde von Rainaldo, tüchtigem Handwerker und Bauführer, mit Kunst, Genialität und Eifer fertiggestellt, die später der Innsbrucker Meister Wilhelm, gen. Guglielmus bis 1160 vollendet hat.

Das Baptisterium wurde 1152 von Diotisalvi als Ergänzung zum Dom im romanischen Stil auf kreisförmigem Grundriss nach dem Vorbild der Anastasis Rotunde des Heiligen Grabes in Jerusalem begonnen. Der Bau hat innen einen zweigeschossigen Stützenkranz aus 12 Pfeilern und Säulen, der einen kreuzgratgewölbten Umgang vom Mittelbereich unter der Innenkuppel trennt. Diese Innenkuppel besteht aus einem Kegelstumpf, der ursprünglich oben offen war. Nach einem finanziell bedingten Baustopp am Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Außenverkleidung erst 1260 von Niccolò Pisano und 1277-1284 von Giovanni Pisano fortgeführt. Während die erste Ebene noch dem Stil des Doms angepasst wurde, baute man die zweite Etage mit Blendarkaden im üppigen Stil der Gotik. Die äußere Segmentkuppel, die die Innenkuppel teils überdeckt, wurde erst 1358 von Cellino di Nese und von Zibellinus, einem Baumeister aus Bologna, errichtet. Dabei fügte man dem Bau ein drittes Außengeschoss hinzu. 1394 schloss man die offene Mitte der alten Kegelkuppel mit einem kleinen Gewölbe, was den Bau auf seine heutige Gesamthöhe brachte.

Das Baptisterium in Pisa ist die größte Taufkirche in der christlichen Geschichte. Es ist insgesamt 54 Meter hoch und hat einen Umfang von 107 Meter. Das Baptisterium hat durch seine zylindrische Bauweise ein besonderes Echoverhalten. Gelegentlich stimmt einer der Wächter mehrere verschiedene Gesangstöne an, die in Kombination miteinander durch das Echo im Gebäude zu einem Klangerlebnis werden.