Krakau

Geschichte:

Der Wawelhügel, auf dem das Schloss und die Kathedrale stehen, wurde bereits vor 20.000 Jahren dauerhaft besiedelt. In der Nähe von Krakau bauten die Menschen bereits in prähistorischen Zeiten Salz ab und handelten damit. Im 9. Jahrhundert sind Wislanen von Method von Saloniki in der Gegend um Krakau beschrieben. Die Geschichte des Territoriums an der oberen Weichsel um Krakau begann vor der Eroberung durch die Polanen im Jahr 999 und vor der Gründung des ersten polnischen Staates. Entsprechend dem Gründungsmythos der Stadt, von Wincenty Kadlubek zuerst beschrieben, "errichtete Stammesfürst Krak die Stadt auf dem Wawelhügel über einer Drachenhöhle, nachdem er den dort hausenden Drachen getötet hatte".

Erste Überlieferungen von Slawen, die sich am Weichselufer ansiedelten, beziehen sich auf Chrobaten, die im 9. Jahrhundert in der Umgegend der späteren Stadt erwähnt werden und wahrscheinlich zeitweise zum Großmährischen Reich gehörten. Großmährische Chroniken berichten, dass Kyrill und Method dem (unbenannten) Herrscher der Wislanen die christliche Taufe angeraten haben. Es ist nicht bekannt, ob dieser das Angebot annahm. Doch soll bereits zu dieser Zeit die erste Kirche in Krakau an der Stelle eines heidnischen Kultortes (Standort der späteren Andreaskirche) errichtet worden sein. Im Jahr 965 wurde Krakau von dem arabisch-jüdischen Kaufmann Ibrahim ibn Yaqub zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Jahr des Todes Boleslav II. von Böhmen (999) wurde Krakau, welches zum Böhmischen Gebiet gehörte, von Boleslaw I. Chrobry, Herzog der Polanen, erobert und kam damit unter die Herrschaft der nachmaligen polnischen Piasten.

Ende des 10. Jahrhunderts war Krakau bereits ein bedeutender Handelsplatz und wurde im Jahr 1000 von Boleslaw I. dem Tapferen (Boleslaw I. Chrobry) zum Sitz des Bistums Krakau erhoben. Die ersten steinernen Gebäude wurden errichtet (eine Burg auf dem Wawelhügel und diverse romanische Sakralbauten).

Unter Kasimir I. dem Erneuerer wurde Krakau 1038 Hauptstadt Polens. Kasimir verließ das von dem tschechischen Herrscher Bretislav I. zerstörte Gnesen, das bisher die Hauptstadt Polens war und wählte das günstiger gelegene Krakau als Königssitz. Gleichwohl blieb Gnesen Sitz des wichtigsten polnischen Erzbistums und damit des polnischen Primas. Wegen der neuen Rolle als polnische Hauptstadt entwickelte sich Krakau im 11. Jahrhundert sehr schnell. Zahlreiche Bauten im romanischen Stil entstanden. In dieser Zeit kam es aber auch zum Konflikt der weltlichen mit der kirchlichen Macht in Polen, der darin mündete, dass König Boleslaw II. der Kühne, der Sohn Kasimirs I., den Erzbischof Stanislaus in der Michaeliskirche 1079 erschlug. Stanislaus wurde zu einem der ersten Schutzpatrone Polens. Boleslaw II. musste aus Polen fliehen und wurde später in Ungarn vergiftet. Sein Bruder Wladyslaw I. Herman, der ihm 1079 auf den Thron folgte, verlegte für kurze Zeit die Hauptstadt weiter nach Plock.

Doch bereits Anfang des 12. Jahrhunderts sicherte sich Krakau wieder die Stellung der polnischen Hauptstadt. Nach dem Tod Boleslaws III. war Krakau von 1138 bis 1320 Hauptstadt des Seniorats Polen. Die Krakauer Fürsten waren im Rahmen der Senioratsverfassung den übrigen polnischen Teilfürsten übergeordnet und versuchten das Königreich Polen wieder zu vereinen. In dieser Zeit wanderten viele Juden und Deutsche nach Krakau ein und erwarben das Bürgerrecht. Gleichzeitig wurde Krakau im 13. Jahrhundert mehrmals von den Tataren belagert. Besonders verheerend war im Zuge der Schlacht bei Wahlstatt der erste Ansturm der Mongolen der Goldenen Horde im Jahr 1241, den nur die Wawelburg und der Stadtteil Okól überstanden. Die Bürger konnten in der Andreaskirche und auf der Burg Schutz finden. Nach dieser Zerstörung wurde Krakau im Stil der Gotik planmäßig auf einem Schachbrettmuster wieder aufgebaut.

1257 wurde Krakau nach Magdeburger Stadtrecht von Boleslaw dem Schüchternen neugegründet und wieder aufgebaut. In dieser Zeit wurden die Marktplätze und das schachbrettartige Straßennetz der Altstadt geformt, in das ältere Fragmente, wie die Marienkirche, eingebettet wurden. Boleslaw der Schüchterne und seine Frau, die Heilige Kinga, förderten den Salzabbau in Bochnia und Wieliczka untertage. Damit legten sie die Basis für den Reichtum der Stadt im Spätmittelalter. 1281 erfolgte der letzte große tatarische Angriff auf Krakau, den die vom Turmbläser gewarnten Bürger jedoch abwehren konnten.

Im Jahr 1311 erhob sich die deutsche Bürgerschaft unter Führung des Vogtes Albert gegen den polnischen Seniorherzog Wladyslaw I. Ellenlang. Nachdem er den Aufstand niedergeschlagen hatte, ließ Wladyslaw die meisten Deutschen aus der Stadt verbannen, einige hinrichten. Die Nationalität der Bürger wurde durch ein Schibboleth überprüft: Als Deutscher galt, wer soczewica, kolo, miele, mlyn nicht fehlerfrei nachsprechen konnte. Um 1480 waren wieder 36 Prozent der Einwohner mit Stadtrecht deutschsprachig und in der prächtigsten Pfarrkirche, der Marienkirche, wurde deutsch gepredigt - bis auf königlichen Erlass hin die deutschen Predigten in die Barbarakirche verlegt wurden.

Kasimir der Große gründete die Vorstädte Kazimierz (1335) und Kleparz (1366) und ließ die Wawelkathedrale und viele andere Kirchen im gotischen Stil umbauen bzw. neu errichten. Zu seiner Zeit kamen nach den Pestpogromen von 1348/49 besonders viele Juden nach Polen und Krakau, denen Kasimir III. weitgehende Privilegien und in der Ausweitung des Kalischer Toleranzedikts von 1265 die Religionsfreiheit sicherte. Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum siedelten die Juden zunächst nicht in Kazimierz, sondern im heutigen Universitätsviertel um die St.-Anna-Straße.Die Stadtregierung Krakaus unterstand jahrhundertelang dem Krakauer Erzbischof als Fürstbistum. Während der Herrschaft von Wladyslaw II. Jagiello Ende des 14. Jahrhunderts wurde Krakau ein Mitglied der Hanse, verließ diese aber 1478 wieder.

Nach dem Tod Kasimirs III. des Großen 1370 kam sein Neffe Ludwig von Anjou an die Macht, der gleichzeitig auch König von Ungarn war. Nach dessen Tod bestieg die 12-jährige Hedwig 1384 den polnischen Thron als König (nicht Königin). Sie heiratete den litauischen Großfürsten Wladyslaw II. Jagiello und legte damit den Grundstein für die Union zwischen beiden Staaten. Sie verstarb sehr jung 1399 und vererbte ihr ganzes Vermögen der Krakauer Universität. Ihr Ehemann Wladyslaw II. Jagiello besiegte 1410 den Deutschen Orden bei Tannenberg militärisch und 1416 auf dem Konzil zu Konstanz juristisch. Nach der polnisch-litauischen Union von Krewo 1385 entwickelte sich Krakau als Hauptstadt einer der größten europäischen Kontinentalmächte ökonomisch, kulturell, wissenschaftlich und urban. Wladyslaw II. Jagiello gilt als Stammvater der Dynastie der Jagiellonen, die in Polen-Litauen, dem Königreich Böhmen und Ungarn regierten und starke familiäre Beziehungen mit Habsburg, Wittelsbach und Vasa unterhielten. Unter ihrer Herrschaft wuchs Krakau weiter und trat der Hanse bei. Der Fürstbischof regierte sehr geschickt ab 1434 für die minderjährigen Söhne Wladyslaw II. Jagiellos, Wladyslaw III. von Warna und Kasimir IV. Jagiello. Unter letzterem blühte Krakau in der Spätgotik auf.

1489 beendete Veit Stoß (poln. Wit Stwosz) aus Nürnberg die Arbeit am Hochaltar der Krakauer Marienkirche und fertigte dann den Marmorsarkophag für Kasimir IV. Jagiellonicus, Kallimachus sowie für Bischöfe von Krakau und Posen. Auch zahlreiche andere Künstler aus Italien, Holland und Süddeutschland kamen in der Zeit Kasimirs IV. nach Krakau und arbeiteten im Stil der Spätgotik und Renaissance. Drei seiner Söhne waren nacheinander polnische Könige, der älteste aber König von Böhmen und Ungarn. Die Könige Alexander und Jan I. Olbracht ließen die Stadtbefestigung gegen einen befürchteten Türkenansturm ausbauen. Ihr jüngerer Bruder Sigismund I. der Alte (Zygmunt I Stary) und dessen Sohn Sigismund II. August (Zygmunt II August) bauten Krakau zum Machtzentrum der jagiellonischen Länder in Polen-Litauen und Tschechien-Ungarn aus. Zu dieser Zeit zählte Krakau ca. 30.000 Einwohner.

1525 huldigte Albrecht, der Hochmeister des Deutschen Ordens, dem polnischen König auf dem Krakauer Marktplatz und wandelte auf Anraten Martin Luthers und mit Billigung des polnischen Königs den Ordensstaat in ein polnisches Lehen um. Albrecht schuf mit diesem Herzogtum Preußen als polnischem Lehen das erste Gebiet, das den lutherischen Glauben annahm. Die Konflikte um Reformation und Gegenreformation wirkten sich auch bald auf Krakau aus.

Sigismund II. August wurde 1530 zu Lebzeiten seines Vaters König von Polen und regierte bis zu dessen Tod 1548 mit diesem gemeinsam. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde begonnen, die deutschsprachige Stadtregierung durch eine polnische bzw. italienische zu ersetzen. 1572 starb der letzte Jagiellonenkönig, Sigismund II. August. Sein Nachfolger aus Frankreich Heinrich von Valois regierte nur ein Jahr auf dem Wawel. Ihm folgte der Ungar Stephan Báthory, unter dem Krakau sich weiter im Stil des Manierismus entwickelte. Doch verlegte 1596 der polnische und zeitweise schwedische König sowie zeitweilige Zar von Russland Sigismund III. Vasa (Zygmunt III Waza) die Residenz nach Warschau, das bis 1526 (dem Jahr des Erlöschens des masowischen Piastenhauses) Hauptstadt des Herzogtums Masowien gewesen war, welches an die polnische Krone zurückfiel. Sigismund bevorzugte die Nähe Warschaus zu seinem schwedischen Erbkönigreich und zu seinen russischen Ambitionen. Ende des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert lag Krakau abseits der polnischen Politik, die nun in Warschau ihren Mittelpunkt hatte. 1778 wurden in Krakau ohne die Vorstädte 8.894 Einwohner gezählt und 1782 insgesamt 9.193 Einwohner.

Im Zuge der Dritten Teilung Polens wurde Krakau 1795 in der Habsburgermonarchie dem Kronland Galizien zugeordnet, dem habsburgischen Anteil aus der Ersten Teilung Polens 1772. 1809 bis 1815 gehörte es zum von Napoléon errichteten Herzogtum Warschau und war nach dem Wiener Kongress als Republik Krakau bis 1846 ein Kondominat unter dem gemeinsamen Protektorat seiner Nachbarn Russland, Preußen und Österreich. Nach dem Krakauer Aufstand 1846 annektierte Österreich Krakau mit Zustimmung von Russland und Preußen. Es folgte eine zunächst von Germanisierungstendenzen der Wiener Führung geprägte Zeit, die jedoch nach der Niederlage Österreichs im Krieg gegen das sich formierende Italien und einer Schwächung der Zentralisten in Wien durch den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 von weitreichender Autonomie für Galizien abgelöst wurde.

Im cisleithanischen Teil der nunmehr als k.u.k. Monarchie bezeichneten Realunion, der liberal regiert wurde und allen Nationalitäten Gleichberechtigung einräumte, entwickelte sich Krakau erneut zum Zentrum polnischer Kunst und Kultur. Krakau wurde das Zentrum der neoromantischen Bewegung Junges Polen, des Jugendstils sowie des polnischen Modernismus. So wurde Krakau neben Warschau eines der bedeutendsten Zentren der polnischen Unabhängigkeitsbewegung. Mit Wien als damaliger Hauptstadt war Krakau seit 1856 durch die k.k. Nordbahn verbunden, die wichtigste Bahnstrecke der Monarchie. In den letzten zwei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg erlebte Krakau eine sprunghafte Modernisierung, die nicht zuletzt vom jüdischen Bürgertum getragen wurde.

Am Ende des Ersten Weltkriegs sah sich Krakau ab 28. Oktober 1918 wie ganz Galizien als Teil des wieder erstehenden polnischen Staates. Dies wurde im September 1919 im Vertrag von Saint-Germain bestätigt. Krakau entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit sehr schnell und war neben Warschau und Lemberg eines der wichtigsten kulturellen Zentren Polens.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm im Polenfeldzug die deutsche Wehrmacht Krakau am 6. September 1939 kampflos ein. Westgalizien wurde Bestandteil des Generalgouvernements für die besetzten polnischen Gebiete mit Sitz in Krakau. Unter Generalgouverneur Hans Frank wurden in Stadtnähe die berüchtigten Konzentrationslager Plaszow, Auschwitz und Auschwitz-Birkenau errichtet. Die deutschen Besatzer errichteten 1941 im Stadtteil Podgórze am rechten Weichselufer für jüdische Stadtbürger das Ghetto Krakau, in dem zeitweise 20.000 Menschen als Arbeitssklaven gefangen gehalten wurden. Im Herbst 1941 wurden 2.000 Menschen aus dem Ghetto für die Tötung "selektiert", weggebracht oder vor Ort ermordet. Das Ghettogelände wurde anfänglich mit Mauern abgesperrt. Nach weiteren Deportationen (1.-8. Juni und 27.-28. Oktober 1942) wurde das ganze Gelände im Dezember in Wohnbezirk A und Wohnbezirk B unterteilt. Das war die Vorbereitung für die endgültige Liquidation, die am 13. März 1943 begann. Die Besatzer vernichteten einen großen Teil der Kunstschätze des Wawels, insbesondere der polnischen Künstler. Die Bausubstanz Krakaus blieb aber zum großen Teil erhalten, da das NS-Regime Krakau als ursprünglich deutsche Stadt betrachtete. Krakau blieb von Bombardements und größeren Zerstörungen weitgehend verschont. Es verlor aber fast die Hälfte seiner Bevölkerung, so gut wie die ganze jüdische Gemeinde und insbesondere in der "Sonderaktion Krakau" vom November 1939 die universitäre Elite.

Als die Rote Armee im Januar 1945 im Zuge der Weichsel-Oder-Operation überraschend auf Krakau vorstieß, ließ Generalgouverneur Frank alle Deutschen evakuieren und verließ die Stadt,während sich die deutschen Truppen zur Oder zurückzogen. So konnte die Rote Armee am 19. Januar in das nahezu unzerstörte Krakau einziehen. Die Sowjetunion und das polnische kommunistische Regime unterdrückten die bürgerlichen und aristokratischen Strömungen der Krakauer. Am 11. August 1945 kam es zum Pogrom von Krakau an der jüdischen Bevölkerung. Die Behörden weigerten sich, einzuschreiten und die vom Tod bedrohten Menschen zu retten.

Aus ideologischen Überlegungen wurden in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt das damals weltgrößte Stahlwerk und die sozialistische Trabantenstadt Nowa Huta (Neue Hütte) errichtet. Das Regime erhoffte sich durch einen größeren Anteil an "sozialistischen Arbeitern" den Einfluss der "kapitalistischen Intellektuellen" zu beseitigen. Nowa Huta wurde später während der Solidarnosc-Bewegung zu einem Brennpunkt des sozialen und politischen Reformwillens gegen den Kommunismus. Bis in die 1990er Jahre hinein schädigten die Emissionen des Stahlwerks die historische Bausubstanz Krakaus.

Im Jahre 1978 wurden die Altstadt von Krakau und der Wawel zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Das Salzbergwerk Wieliczka vor den Stadttoren Krakaus wurde 1978 ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Im selben Jahr wurde der Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyla, zum Papst gewählt und nahm als solcher den Namen Johannes Paul II. an. Er besuchte Krakau während seines Pontifikates mehrmals. Diese Wahl hatte bedeutende Auswirkungen auf die polnische Oppositionsbewegung und indirekt auf die gesamte internationale Politik. Nach den Gesprächen am Runden Tisch 1988/89 und den ersten freien Wahlen 1989 konnte sich Krakau wieder frei entwickeln. Die Versäumnisse früherer Restaurierungsarbeiten konnten in den 1990er Jahren nachgeholt werden.

Lage:

Informationen:

Ort: Krakau

Land: Polen

Besucht am: 14.-16.04.2017

Fläche: 326,85 km²

Einwohner: 762.508 (30.06.2015)

Gegründet: 9. Jahrhundert

Bilder:

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Wawel

Der Wawelhügel ist der südlichste Ausläufer des Krakau-Tschenstochauer Jura, eines 161-155 Millionen Jahre alten Kalksteingebirges im südlichen Zentralpolen. Das ganze Gebiet ist stark verkarstet, und die Landschaft ist von Höhlen durchzogen. Auf der am Weichselufer liegenden Seite des Wawel (vermutlich zu poln. wawóz: Schlucht) führt eine solche Karsthöhle von den Burgmauern oben auf dem Hügel bis zu seinem Fuß. Nach ihrer Form gaben ihr die Menschen den Namen "Drachenhöhle". So erzählt die Legende, dass hier einst ein Drache gehaust habe, bis der Ritter Krak kam und den Drachen durch List überwand. An diesem Platz wurde dann die Stadt Krakau gegründet, die nach dem Ritter benannt wurde.

Seit der Altsteinzeit bewohnen Menschen den Wawelhügel und seine Höhlen. Unweit des Wawels, auf dem Gebiet des heutigen Wieliczka, siedeten die ersten Bewohner in der Steinzeit Salz. Die Siedlung wuchs, da sie an der Kreuzung wichtiger Handelswege lag. Von der Spätantike bis zum frühen Mittelalter war der Wawel ein Machtzentrum des westslawischen Stammes der Wislanen (wie die Bewohner an den Ufern des Flusses Wisla genannt wurden), der im 6. Jahrhundert ein erstes lockeres Staatsgebilde in dem Gebiet des heutigen Kleinpolens schuf.

Aus dem 7. Jahrhundert stammen zwei Hügelgräber südöstlich des Wawels, die dem legendären Herrscher Krak und seiner Tochter Wanda zugeschrieben werden. Nach dem Chronisten Wincenty Kadlubek aus dem 12. Jahrhundert soll Krak mit Hilfe einer List eines Schusterlehrlings den Wawel-Drachen getötet haben. Es gibt Vermutungen, wonach sich auf dem Wawel zu jener Zeit eine heidnische Kultstätte befunden haben soll.

Im 10. Jahrhundert wurden auf dem Wawel die vorromanische Marienrotunde und die Kirche B. (da der Schutzpatron nicht namentlich bekannt ist) errichtet. Sie sind wohl die ältesten steinernen Bauten auf dem Wawel. Als Krakau im Jahr 1000 Bischofssitz wurde, wurde mit dem Bau einer zeittypischen dreischiffigen Kathedrale auf dem Wawel begonnen, die nach ihrem Stifter, König Boleslaus I., König-Boleslaus-I-Kathedrale genannt wird. Nur ihre Fundamente sind erhalten geblieben. Die Kirche wurde wahrscheinlich bereits 1038 beim großen Heidenaufstand und dem Einfall des böhmischen Herrschers Bretislav I. stark beschädigt und fiel schließlich um 1080 einem Brand zum Opfer. Neben der Kathedrale entstand bald darauf eine Burganlage, die um 1040 von Kasimir I. dem Erneuerer zur Königsresidenz erhoben wurde. Innerhalb der Burg wurde die dreischiffige Kirche des Hl. Gereon mit zwei Zwillingstürmen und einer Krypta errichtet, die wahrscheinlich als Schlosskapelle fungierte. Daneben standen auf dem Wawel seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts noch zwei weitere vorromanische Kirchen, die Kirche des Hl. Georg und die Kirche des Hl. Michael. Während des erwähnten Einfalls Bretislavs im Jahre 1038 wurden diese Gebäude größtenteils zerstört. Nur von der vorromanischen Burg sind Teile des als Saal der 24 Säulen bezeichneten Palastes, Grundmauern eines Wirtschaftshauses, das wohl als Speicher diente, und Reste des Bergfrieds erhalten.

In den Jahren 1038/1039 kehrte Kasimir I. nach Polen zurück und machte den Wawel in Krakau zu seiner Residenz. Dieses Datum gilt auch als Beginn der Romanik in Polen. Die zweite Wawelkathedrale wurde nach dem Brand 1080 von Wladyslaw I. Herman gestiftet. Sie entstand an der Stelle der ersten Kathedrale und wird auch teilweise nach ihrem Stifter benannt. Ihre Weihe erfolgte 1142. Der Turm der Silberglocken sowie die achtsäulige Krypta des Hl. Leonards sind Relikte dieses Bauwerks. Aus der Zeit der Romanik stammen auch die Rotunden an den Basteien Wladyslaws IV. und Sandomirs, das Baptisterium sowie die Kirche an der Drachenhöhle. Zudem wurden die anderen zerstörten Kirchen und die Burg in der Romanik wiedererrichtet. Die Romanik war bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts der beherrschende Baustil auf dem Wawel. Sie zeichnete sich durch die Verwendung von Kalkstein als wichtigstem Baumaterial aus. Die Fundamente der Kathedrale sowie der nicht erhaltenen romanischen Gebäude sind daher aus weißem Kalkstein.

Um 1250 verdrängte im Zuge der polnischen Backsteingotik der Ziegel den Kalkstein als Baumaterial. Daher wurden für die höheren Partien der Kathedrale sowie der alten Burgmauern rote Ziegelsteine verwendet. Für die Bildhauerarbeiten kam Sandstein und im Inneren vor allem Marmor aus Heiligkreuzgebirge und Ungarn zum Einsatz. Während des Albertaufstandes 1305 brannten das Dach und der obere Teil der romanischen Kathedrale ab. Doch bereits 1320 war der Schaden so weit behoben, dass Wladyslaw I. Ellenlang dort zum König gekrönt werden konnte. Gleichwohl ließ der neue König noch im selben Jahr die alte Kirche bis auf die Fundamente abtragen, worauf mit dem Bau einer dritten Kathedrale im gotischen Stil begonnen wurde. Dieser Kirchenbau, der 1364 eingeweiht wurde, erfuhr seitdem keine wesentlichen Änderungen. Wladyslaw I. wurde nach seinem Tod in der Kathedrale bestattet, und sein Grab ist das einzige Königsgrab, das in der Kathedrale erhalten blieb.

Der Korpus der gotischen Kathedrale entspricht dem einer dreischiffigen Basilika mit Querhaus und Chorumgang, an die Kapellen angebaut wurden. Die erste Kapelle war die der hl. Margaretha von 1322, die später nach Stephan Báthory benannt wurde. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts stiftete Königin Zofia Holszanska die nach ihr benannte Kapelle am Westeingang. Gegenüber dieser Kapelle ließ ihr Sohn Kasimir III. die Heiligkreuzkapelle erbauen. Es folgten weitere gotische Kapellen, so dass hier im 15. Jahrhundert 19 Kapellen vorhanden waren.

Kasimir der Große ließ auch die Burg im gotischen Stil ausbauen. Wladyslaw II. Jagiello und Königin Jadwiga ließen den Dänischen Turm und den Hahnenfuß anbauen. Beide sind erhalten und geben der Ostfassade des Schlosses ihr charakteristisches Gepräge. Vom gotischen Schloss ist darüber hinaus der nach Zofia Holszanska und Kasimir dem Großen benannte Saal erhalten, in dem das Waffenmuseum untergebracht ist.

Während der Herrschaft der letzten Jagiellonen erlebte der Wawel sein Goldenes Zeitalter. Zu jener Zeit war der Wawel eines der prächtigsten Schlösser in Europa, die Residenz des größten Flächenstaates auf dem Kontinent und zugleich der Sitz der Jagiellonendynastie, deren Länder sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und bis zur Adria erstreckten. Die Dachziegel und Säulen sollen vergoldet gewesen sein. Die Außenwände waren mit bunten Fresken bedeckt. Im Schloss befand sich die weltweit größte Sammlung von über 300 Wandteppichen, welche in Arras aus Goldfäden gewirkt worden waren. Ein kurioses Detail ist die Dekoration der Kassettendecken im Saal der Gesandten, die aus geschnitzten und zum Teil grotesk dargestellten Ebenbildern menschlicher Köpfe besteht. Das Schloss wurde zum Vorbild Dutzender Magnatenresidenzen in ganz Mittel- und Osteuropa.

Die Renaissanceblüte des Wawelschlosses endete mit dem großen Brand Ende des 16. Jahrhunderts. Zwar wurde im Dachgeschoss für den Brandfall Löschwasser bevorratet, der Brand ereignete sich jedoch im Winter, als dieses gefroren war. Nach diesem Ereignis verlegte König Sigismund Wasa 1596 seine Residenz vom Wawel in das Schloss der masowischen Fürsten zu Warschau, dem späteren Warschauer Königsschloss. Nach dem Brand von 1595 wurde das Wawelschloss von Giovanni Trevano in frühbarockem Stil umgebaut. Eine neue Befestigungsanlage mit mehreren Basteien wurde um den Wawelhügel gezogen. 1662 und 1702 eroberten die Schweden das Schloss und plünderten es in beiden Fällen.

Das Schloss selbst wurde in der Zeit des Hochbarocks und des Spätbarocks fast gar nicht verändert. Es erhielt nur einen neuen Saal im Stil des Rokoko. 1794 wurde es schließlich von den Preußen besetzt, die den Kronschatz raubten, der bisher - abgesehen vom Krönungsschwert Szczerbiec - nicht zurückgegeben wurde. Die Sammlung der Wandteppiche und die Bibliothek fiel russischen Truppen in die Hände und gelangte an den Zarenhof gebracht. Von über 300 geraubten Teppichen kehrte weniger als die Hälfte auf den Wawel zurück.

Im Gegensatz zum Schloss entwickelte sich die Kathedrale im Barock weiter. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Wasakapelle für die Könige aus dieser Dynastie Sigismund III., Wladyslaw IV. und Johann II. Kasimir erbaut. Mit der Dritten Teilung Polens 1795 gelangte Krakau zur österreichischen Monarchie. Die Österreicher richteten auf dem Wawel eine Kaserne ein und rissen alle Gebäude zwischen Schloss und Westmauern nieder, um einen Exerzierplatz anzulegen. Dem fielen mehrere Renaissancehäuser und romanisch-gotische Kirchen zum Opfer. Die neuen Machthaber zerstörten auch die Arkaden, indem sie diese zubauten. Im Schlossinneren wurden die Säle zu Kasernenräumen umgestaltet und an der nördlichen Burgmauer drei Hospitäler gebaut.

Nach mehreren Bitten von Seiten der polnischen Bevölkerung und der Intelligenz erhob Kaiser Franz Joseph I. in seiner Funktion als König von Galizien und Lodomerien Krakau zur offiziellen königlichen Residenz. Dies schützte die Anlage vor weiteren negativen Veränderungen. 1905 befahl der Kaiser, die österreichischen Soldaten vom Wawel abzuziehen, worauf das Gebäudeensemble des Wawel konserviert werden konnte. Zygmunt Hendel und Adolf Szyszko-Bohusz leiteten die Arbeiten. Polen aus allen Gebieten, ob sie nun unter preußischer, österreichischer oder russischer Herrschaft standen, finanzierten den Bau mit ihren Spenden. Am Nordeingang wurden das Wappentor und ein Tadeusz-Kosciuszko-Denkmal errichtet.

In den Jahren 1904-1907 entwarfen Stanislaw Wyspianski und Wladyslaw Ekielski einen Plan zum Umbau des Wawel zur polnischen Akropolis. Der Plan sah vor, dass auf dem Hügel das polnische Parlament, Nationalmuseum, Bischofskurie und die Polnische Akademie ihren Sitz haben sollten. Zudem sollte ein Amphitheater errichtet werden. Die Pläne kamen nicht zur Ausführung. Nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurde Józef Pilsudski 1935 in der Krypta des Wawel beigesetzt. Wladyslaw Sikorski konnte erst nach 1989 in der Ehrenkrypta seine letzte Ruhe finden. Das Wawelschloss war 1939-1945 Regierungssitz der deutschen Besatzungsmacht im Generalgouvernement unter Hans Frank. Aus dieser Zeit ist eine Ehrenhofanlage im typischen NS-Prunkstil erhalten, deren Charakteristika beim jüngsten Umbau allerdings verwischt wurden.

Marienkirche Krakau

An Stelle eines romanischen Kirchengebäudes aus den Jahren 1221-1222 wurde am Ende des 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, als klassisches Beispiel polnischer gotischer Architektur, die Kirche der heiligen Magd Maria an der nordöstlichen Ecke des Marktplatzes errichtet. Aufgrund der wachsenden deutschen Gemeinde im Mittelalter wurden mit der Zeit die Predigten in polnischer Sprache aus der Marienkirche in die benachbarte St. Barbarakirche verdrängt. Auf der Wintersitzung 1536/37 des polnischen Parlaments (Sejm) in Krakau gebot König Sigismund I. die Predigten in polnischer Sprache erneut in die Marienkirche zu verlegen. Die deutschen Predigten sollten dagegen in der Barbarakirche abgehalten werden. Dies war einerseits ein Zeugnis für das Erwachen des nationalen Selbstbewusstseins und der Ausprägung eines Nationalstolzes, andererseits aber auch die Folge der Polonisierung des deutschen Bürgertums.

Die Marienkirche besitzt zwei Türme. Einen nördlicheren und höheren (81 m) mit spitzem Dach (mit Uhrglocke) und den etwas niedrigeren (69 m) südlichen. Er birgt neben einer weiteren Uhrglocke das vierstimmige, mittelalterliche Geläut. Einer Sage nach sollen die Türme von zwei Brüdern in Konkurrenz erbaut worden sein. Während der ältere Bruder seinen Turm bereits fertiggestellt hatte, war sein jüngerer Bruder noch mit dem Bau beschäftigt. Aus Angst, sein Bruder könne einen höheren Turm bauen, erstach er ihn. Das Tatwerkzeug (Messer) ist bis heute an der Tuchhalle zu sehen.

Im Nordturm befindet sich auf etwa 54 m die Türmerstube. Seit dem 14. Jahrhundert läutet ein Türmer zu jeder vollen Stunde die Stundenglocke von Hand und spielt das Krakauer Trompetensignal "Hejnal" in alle vier Himmelsrichtungen. Es bricht mitten im Spiel ab und soll damit an den Mongolenangriff (damals "Tataren" genannt) 1241 erinnern, bei dem der damalige Trompeter während des Blasens des Alarmsignals von einem Tatarenpfeil getötet worden sei - so die Legende. Seit 1927 wird das Mittagssignal live vom Sender Radio Kraków übertragen, es ist die älteste ständige Musiksendung der Welt.

Hauptmarkt Krakau

Der Hauptmarkt wurde zu Handelszwecken angelegt. Krakau wurde im Jahr 1241 durch die Goldene Horde zerstört und erhielt 1257 unter Boleslaw V. das Magdeburger Stadtrecht, wodurch die Bedeutung für den Handel zunahm. In diesem Jahr wurde der Platz in seiner heutigen Form angelegt. Er enthielt ursprünglich zahlreiche niedrige Markthallen und war von Verwaltungsgebäuden und einem Straßenring umgeben. Kasimir der Große ließ die ursprünglich gotischen Tuchhallen sowie das Rathaus errichten, das etwa ein Viertel des Platzes einnahm und 1820 abgebrochen wurde. Krakau war zu dieser Zeit Hauptstadt des Königreichs Polen, seit 1387 Mitglied der Hanse und ein blühendes europäisches Handelszentrum.

Neben seinen Handelsfunktionen war der Hauptmarkt Zeuge zahlreicher historischer Ereignisse. Aufgrund seiner Lage am Königsweg trafen sich hier Diplomaten und ausländische Würdenträger bei Krönungsfeierlichkeiten auf dem Weg zum Wawel. Kasimir der Große berief hier 1364 den Krakauer Kongress ein, an dem Adlige aus ganz Europa zusammenkamen. Anlässlich gewonnener Schlachten über das Großfürstentum Moskau wurde 1514 eine Siegesparade vom litauischen Fürsten Konstanty Ostrogski sowie eine weitere 1531 vom polnischen Adligen Jan Amor Tarnowski abgehalten. Am 10. April 1525 fand der Kniefall von Herzog Albrecht, die sogenannte Preußische Huldigung, vor dem polnischen König Sigismund I. statt. König Johann III. Sobieski feierte hier seinen Sieg über die Osmanen nach der Schlacht am Kahlenberg 1683.

Nachdem Sigismund III. Wasa 1596 die polnische Hauptstadt von Krakau nach Warschau verlegt hatte, wurden in Krakau weiterhin Krönungen und königliche Bestattungen vorgenommen. Am 24. März 1794 leistete Tadeusz Kosciuszko auf dem Hauptmarkt den Eid zur Befreiung Polens von den Invasionsmächten, wodurch der Kosciuszko-Aufstand ausgelöst wurde.

Während der deutschen Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg erfolgte die Umbenennung in Adolf-Hitler-Platz. Das Adam-Mickiewicz-Denkmal wurde zerstört und nach Kriegsende wiederaufgebaut. 1978 wurde der Platz als Teil der Krakauer Altstadt in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Am 21. März 1980, zur Zeit politischer Spannungen, die 1981 zur Verhängung des Kriegsrechts führten, kettete sich Walenty Badylak (1904-1980), ein Bäcker im Ruhestand und Kriegsveteran der Heimatarmee, aus Protest gegen das behördliche Verschweigen des Massakers von Katyn an einen Brunnen, der heute seinen Namen trägt, übergoss sich mit Benzin und starb durch Selbstverbrennung.

Die Krakauer Tuchhallen wurden im Mittelalter auf Veranlassung von König Kasimir dem Großen errichtet. Die überdeckten Gebäude dienten dem Handel mit englischen und flämischen Tüchern, wonach die Hallen ihren Namen erhielten. Nachts lieferten Pferdefuhrwerke neue Waren in die enge Passage zwischen den Krämerläden; die Seiteneingänge waren zum Schutz vor Dieben mit Metallgittern versperrt. Im Jahr 1555 fiel der gotische Bau Flammen zum Opfer. Beim Wiederaufbau im Renaissancestil erhielten die Tuchhallen ein Tonnengewölbe und eine umlaufende Attika mit flachen Arkaden und Maskaronenköpfen nach einem Entwurf des Italieners Santi Gucci. Die Hallen belegen eine Fläche von 18 × 108 Metern.

Im Jahre 1601 wurde in der Mitte des Gebäudes ein Durchgang angelegt, der die Warenanlieferung und die Kundenströme verbesserte. In den Jahren 1875-1878 wurden die Tuchhallen nach dem Entwurf des Architekten Tomasz Prylinski gründlich umgebaut. Die Längsseiten erhielten neugotische Arkaden mit von Jan Matejko entworfenen Säulenkapitellen. Im Obergeschoss entstanden Ausstellungsräume, die den ersten Sitz des Krakauer Nationalmuseums bildeten. Seit dem 20. Jahrhundert beherbergen sie die Galerie der polnischen Malerei des 19. Jahrhunderts. An den Wänden über den hölzernen Verkaufsständen sind polnische Stadtwappen und Zunftzeichen angebracht.

Salzbergwerk Wieliczka

Die Salzsiederei in der Gegend von Wieliczka ist seit etwa 3500 vor Christus nachweisbar. Als die Salzquellen zur Mitte des 13. Jahrhunderts erschöpft waren, wurde unter Tage nach Salzsole gesucht und dabei die Steinsalzlagerstätte entdeckt.

Der Goryszowskischacht wurde etwa 1280 abgeteuft. Seit dem 15. Jahrhundert wurden Maschinen und seit dem 17. Jahrhundert Pferde im Bergwerk eingesetzt. Bis zum 18. Jahrhundert ging der Abbau nur im oberen Teil des Flözes, bis etwa in 60 m Teufe um, später wurden unter den alten Bauen vier weitere Sohlen angelegt, die bis in 340 m Teufe reichen. Vom 14. Jahrhundert bis 1772 waren die Salzbergwerke Wieliczka und Bochnia als Königliche Salinen vereinigt und somit das größte Bergbauunternehmen in Polen.

1368 erließ Kasimir der Große eine Bergordnung, die die Salzproduktion und den Salzhandel regelte. Die Verwaltung der Salinen oblag einem Salzgrafen, der seinen Sitz im Schloss Wieliczka hatte. Aus den Einnahmen des Salzhandels, der während seiner Blüte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert ein Drittel der Staatseinnahmen erwirtschaftete, wurden unter anderem die Kosten für den Bau des Wawels, der Akademie und der Stadtbefestigungsanlagen in Krakau sowie der Heeressold bestritten.

1913 wurde die noch heute in Betrieb befindliche Salzsiederei erbaut. Nach 1918 wurde das Bergwerk Staatsbesitz der Republik Polen, die sich 1932 das staatliche Monopol auf Salz vorbehielt. 1965 wurde die Saline von Zupa Solna (Salzbergwerk) in Wieliczka umbenannt. 1976 wurde das Bergwerk in die Liste der nationalen Kulturdenkmäler Polens und 1978 in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen.

1992 löste ein Wassereinbruch einen Tagebruch am Bahnhof und dem Kloster aus. Durch eine Rettungsaktion konnten das Bergwerk und das Kloster gesichert werden. 1993 wurde die Salzförderung eingestellt. Das Bergwerk dient seitdem ausschließlich dem Tourismus und als Sanatorium. Um einen Einsturz des Bergwerkes und der Stadt bei Wassereinbrüchen zu verhindern, wird das eindringende Wasser zu Tage gefördert und daraus Siedesalz gewonnen. Dadurch ist Wieliczka weiterhin ein wichtiger polnischer Salzproduzent.

Alle Denkmäler und Kapellen wurden aus Salzgestein gefertigt. Die ältesten der unterirdischen Kapellen aus Salz stammen noch aus dem Mittelalter. Die Bergleute hatten sie in die Salzstollen gehauen, damit sie zum Beten nicht aus den Schächten an die Erdoberfläche fahren mussten. Die x ist die schönste, die prächtigste, die wundervollste Kapelle. Die Kronleuchterstrahlen fallen auf den mysteriös gehauenen Salzfußboden. Atemberaubende Reliefs und Altäre werden gekennzeichnet durch ungewöhnliche Kunst. Die Kapelle liegt 101 m unter Tage, hat die Größe von 31 x 15 m, und ihre Nutzfläche beträgt 465 m2.

Burg Ogrodzieniec

Eine erste Anlage stand an dieser Stelle bereits zu der Regierungszeit von Boleslaw III. Schiefmund und wurde im Jahr 1241 zerstört. Mitte des 14. Jahrhunderts entstand eine Burg im gotischen Stil. Schwedische Truppen plünderten die Burg im zweiten Nordischen Krieg. 1702 wurde die Anlage bei einem Brand schwer beschädigt und um 1810 vollständig aufgegeben. Es ist die zweitgrößte Burganlage Europas

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