Kopenhagen

Geschichte:

Im 12. Jahrhundert wurde am Øresund eine Burg errichtet, die den kleinen Handelshafen Amager an der Fischersiedlung Havn ("Hafen") sichern sollte. Nicht zuletzt die günstige Lage ungefähr halbwegs zwischen dem wichtigen Bischofssitz in Roskilde und dem skandinavischen Erzbischofssitz in Lund (damals dänisch) war von entscheidender Bedeutung. Entsprechend erhielt auch die mit der Burg neu gestaltete Siedlung den Namen Køpmannæhafn ("Kaufmännerhafen"). 1254 erhielt das junge Kopenhagen von Bischof Jakob Erlandsen sein erstes Stadtrecht, allerdings wurde die Stadt in den Jahren 1362 und 1368 als unliebsamer Konkurrent der Hanse zusammen mit der Burg geplündert und zerstört. Nach einem erneuten Angriff der Hanse war der Hafen 1428 eine Zeitlang von Schiffwracks blockiert. Die Entwicklung ließ sich jedoch nicht mehr aufhalten: 1416 wurde die wiederaufgebaute Stadt Residenz des Königs, und 1443 übernahm sie von Roskilde die Hauptstadtfunktion. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts blühte Kopenhagen unter Christian IV. auf.

Kopenhagen erlebte in seiner Geschichte immer wieder Katastrophen, Seuchen und Kriege. Von 1658 bis 1659 hielt die Stadt einer Belagerung stand, während das übrige Dänemark von den Schweden vollständig besetzt war. Im 18. Jahrhundert starb nach Pest und Seuchen ein Drittel der Stadtbewohner. 1728 sowie 1795 wüteten zwei Stadtbrände. Der Wiederaufbau führte zur heutigen, vom Baustil des 18. Jahrhunderts geprägten Altstadt. Bei den Seeschlachten von Kopenhagen 1801 sowie 1807 beschossen die Engländer die Hauptstadt Dänemarks, da es sich nicht auf die Seite Englands in dessen Krieg gegen Frankreich stellen wollte, und richteten vor allem durch den im zweiten Angriff ausgelösten Großbrand erheblichen Schaden an. Nach dem Sieg der Engländer musste Kopenhagen sämtliche hier ankernden Schiffe ausliefern und konnte sich erst nach Jahrzehnten wieder von dieser Niederlage erholen. 1848 zwangen öffentliche Demonstrationen in Kopenhagen König Frederik VII. zu Reformen und dem Erlass eines Grundgesetzes. Mit den nationalen Spannungen und Dänemarks Verlust von Schleswig und Holstein im Krieg von 1864 verließen auch viele deutschsprachige Beamte und Kaufleute die Stadt, die sie bis dahin jahrhundertelang mitgeprägt hatten.

Mit der Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert wuchs die Stadt durch Zuwanderung vom Land rasch an. Die Befestigungsanlagen wurden geschleift und teilweise in Parks umgewandelt. Die am östlichen Ende gelegene Wallanlage sowie die Festung Kastellet sind jedoch erhalten. Um die Mittelalterstadt herum wuchsen schnell Arbeiter- und Bürgerviertel, die bis heute noch aus um 1870 bis 1900 gebauten Häusern bestehen.

Am 9. April 1940 wurde Kopenhagen kampflos von deutschen Truppen eingenommen. Die Stadt blieb wie das übrige Dänemark bis zum 5. Mai 1945 besetzt, aber bis auf wenige Ausnahmen von Kriegszerstörungen verschont. Einige Industriebauten wurden zum Ziel von Angriffen dänischer Widerstandskämpfer. Als am 29. August 1943 die dänische Regierung zurücktrat, folgte eine unruhige Zeit. Im Juni 1944 begann im Arbeiterviertel Nørrebro ein gegen die Besatzungsmacht gerichteter Generalstreik, der sich auf ganz Dänemark ausbreitete. Am 21. März 1945 bombardierten alliierte Flugzeuge das Shell-Haus, das von den Deutschen als Gestapo-Hauptquartier benutzt wurde; dabei kamen etwa 125 Menschen um. Eines der niedrig fliegenden angreifenden Flugzeuge streifte am Bahnhof einen Lichtmast und stürzte bei der Französischen Schule ab. Die darauffolgende Explosion ließ nachfolgende Piloten glauben, das sei das Ziel, worauf von ihnen die Schule bombardiert wurde; insgesamt 900 Menschen kamen dabei um. Von diesem Bombardement in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges abgesehen, blieb Kopenhagen von Kriegszerstörungen verschont.

Um den Urbanisierungsprozess des 20. Jahrhunderts steuern zu können, entwarf der dänische Architekt Peter Bredsdorff (1913-1981) 1947 den sogenannten Fingerplan (dän. Fingerplanen). Das Konzept ging aus dem "Gutachten über die Grüngebiete im Raum von Kopenhagen" (Betænkningen om Københavnsegnens Grønne Områder) von 1936 hervor und galt dem großflächigen Erhalt von Grünflächen trotz zunehmender Zersiedelung. Der Ausbau der S-Bahnlinien ermöglichte die Auslagerung von Wohnquartieren ins Umland. Gleichzeitig entstanden Vorortsiedlungen mit Hochhaus- und Einfamilienhausbebauung, deren Standard weit über dem Niveau der alten Innenstadtviertel lag. Daher ging die die Zahl der Einwohner zwischen 1960 und 1990 deutlich zurück.

Lage:

Informationen:

Ort: Kopenhagen

Land: Dänemark

Besucht am: 10/11.08.2010

Fläche: 86,20 km²

Einwohner: 591.481 (2016)

Web: Kopenhagen

Bilder:

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Schloss Amalienborg

An der Stelle der heutigen Residenz befand sich ursprünglich ein von Friedrich III. 1669 bis 1673 für Sophie Amalie von Braunschweig-Lüneburg erbautes Lustschloss. Der König starb 1670 und erlebte die Fertigstellung des Baus nicht mehr, Sophie Amalie, nach deren zweiten Namen das Schlösschen benannt wurde, lebte dort bis zu ihrem Tod 1685. Am 19. April 1689 kam es zu einem folgenschweren Brand in einem benachbarten Theatergebäude, der sich auf die Amalienborg ausweitete, das Schloss zerstörte und 171 Menschen das Leben kostete. Unter den Toten befand sich unter anderem der Komponist und Organist Johann Lorentz. Der Bauplatz, der sich innerhalb der Kopenhagener Stadtmauern befand, lag anschließend mehrere Jahre relativ brach. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde hier dann unter Friedrich IV. ein kleiner Pavillon inmitten eines französischen Gartens angelegt.

Anlässlich des 300-jährigen Bestehens des Hauses Oldenburg fasste Frederik V. den Plan, das noch immer mittelalterlich geprägte Kopenhagen zu erweitern und ein neues, barockes Stadtviertel nach französischem Vorbild zu gestalten. Mittelpunkt dieser Frederikstaden auf dem Gelände der früheren Amalienborg sollte ein achteckiger, von Adelspalais umgebener Platz mit einer Sichtachse zu einer zentralen Kirche werden, als verantwortlicher Leiter für das Projekt wurde der Hofbaumeister Nicolai Eigtved 1749 verpflichtet.

Um den neuen Stadtteil mit Leben zu füllen, bot der König die Bauplätze verschiedenen adeligen Familien an. Unter der Bedingung, dass die Pläne Eigtveds umgesetzt würden, erhielten die Bauherren 40 Jahre Steuererlass zugesichert. Die Arbeiten begannen 1750. Als erstes Haus wurde das Palais Moltke für Adam Gottlob Moltke 1754 fertiggestellt, 1757 folgte das Palais der aus Holstein stammenden Gräfin Schack. 1760 wurden die Arbeiten an den Häusern des Barons Brockdorff und des Grafen Levetzau beendet. Die vier Palais wurden, wie damals üblich, nur sporadisch bewohnt, da die adeligen Familien neben den Stadthäusern auch große Residenzen auf dem Land besaßen.

1794 brach im Kopenhagener Stadtschloss Christiansborg ein verheerender Brand aus, der das Gebäude fast vollständig zerstörte und König Christian VII. vorübergehend obdachlos machte. Die Familie Moltke stellte ihr Palais am Amalienborger Platz darauf dem König zur Verfügung, da sie große Besitzungen auf Fünen besaß und auf das Stadthaus nicht zwingend angewiesen war. Nach und nach erwarb das Königshaus die übrigen Häuser hinzu und etablierte ihre Residenz hier. Der Neubau von Schloss Christiansborg wurde dann nur noch für repräsentative Zwecke sowie später für das dänische Parlament und den obersten Gerichtshof genutzt.

Nyhavn

Der 1673 fertiggestellte Kanal Nyhavn wurde in Auftrag gegeben, um einen Stichkanal vom Kopenhagener Hafen zum Platz Kongens Nytorv zu schaffen. Die farbenfrohen Giebelhäuser an beiden Seiten des kleinen Hafenarms entstanden vorwiegend im 18. und 19. Jahrhundert. Das Hafenmilieu brachte frühzeitig zahlreiche Tavernen hervor, und die Gegend ist bis heute mit ihren vielen Restaurants, Bierstuben und Tanzlokalen neben der Istedgade eines bekanntesten Vergnügungsviertel Kopenhagens.

Frederikskirche

Die Frederikskirche (dänisch Frederiks Kirken), oft auch Marmorkirche genannt, wurde gleichzeitig mit den anderen Bauwerken des repräsentativen Viertels Frederiksstad von Nicolai Eigtved entworfen. König Frederik V. legte 1749, zum 300. Jubiläum der Begründung seiner Dynastie durch Christian I., in großer Zeremonie den Grundstein. Die vom König verlangte Bauausführung in norwegischem Marmor überforderte allerdings den Staatshaushalt bei Weitem. Nach Eigtveds Tod legte der Franzose Nicolas-Henri Jardin ein überarbeitetes Konzept vor, dessen weitere Umsetzung von Friedrichs V. Nachfolger Christian VII. jedoch nicht weiter unterstützt wurde. Johann Friedrich Struensee stoppte schließlich 1770 den Bau und damit begann das lange Dasein der Frederikskirche als Bauruine.

Erst als sich der einflussreiche N. F. S. Grundtvig für die Erhaltung und den Weiterbau einsetzte, gelang es, einen Investor zu finden. 1874 verkaufte der dänische Staat die Bauruine an den Industriellen Carl Frederik Tietgen mit der Auflage, die Kirche nach den alten Plänen fertigzustellen und dem Staat zu übergeben. Im Gegenzug erhielt er die Rechte an Nachbargrundstücken. Tietgen ließ durch den Architekten Ferdinand Meldahl die Kirche aus dänischem Sandstein errichten. Am 19. August 1894 konnte endlich die Weihe stattfinden.

Die Frederikskirche ist ein Zentralbau im Stil des klassizistischen Spätbarock. Über dem runden Untergeschoss mit Portikus erhebt sich der nur wenig eingezogene Tambour der Kuppel, die denen des Pantheons und des Petersdoms in Rom nachgebildet ist. Sie durchmisst 31 m, ruht auf 12 Säulen und ist die größte an einem Kirchengebäude in Skandinavien; sie ist begehbar.

Kastell von Kopenhagen

Das nach dem Idealentwurf von Pietro Cataneo errichtete Kastell nimmt die Stelle einer unter König Christian IV. 1625 am Hafeneingang errichteten Schanze ein. Durch den Verlust des Lands östlich des Öresunds im Jahr 1658 erlangte die Schanze erhöhte strategische Bedeutung. Der Auftrag zum Ausbau erging an den Niederländer Henrik Ruse, der zuvor schon am Ausbau der Festung Harburg mitgewirkt hatte. Der Ausbau war 1667 abgeschlossen, in der Folge kam es jedoch zu wiederholten Umbauten. 1892 wurde der östliche Teil der Festung an die Stadt Kopenhagen abgetreten, die eine Straße und eine Bahntrasse durch das Kastell legen ließ. Nach 1945 erfolgten umfangreiche Erneuerungen.

Die in Form eines fast regelmäßigen Fünfecks innerhalb eines Systems von Wassergräben errichtete Anlage weist die fünf Bastionen Kongens Bastion, Dronningens Bastion, Prinsens Bastion, Prinsessens Bastion und Grevens Bastion, mehrere vorgelagerte Ravelins (Wallschild) und Kontergarden[A 1] auf; der Zugang erfolgt über das Tor Sjaellandsporten (Kongeporten; mit einer Büste des Königs Frederik III. von François Dusart) und dem von Lambert van Haven angelegten Norwegischen Tor (Norgesporten). Im Inneren befinden sich das Kommandantenhaus (Kommandantbolig) von Elias David Häusser aus dem Jahr 1725, die als Rechtecksaal ausgeführte Kirche mit Holztonne in der Mittelachse der Anlage, das unmittelbar anschließende Gefängnis sowie symmetrisch angeordnete Kasernen und Magazine. Auf Kongens Bastion wurde eine Windmühle errichtet.