Geschichte:
Dublin entstand ursprünglich aus einer Wikinger- und einer Keltensiedlung. Die Wikinger hatten ihre Winterlager dort und nannten die Siedlung "An Dubh Linn", was so viel wie dunkler Tümpel bedeutete. Die Kelten nannten das Gebiet Áth Cliath - Hürden Furt. Die Wikingersiedlung war auf dem Gebiet wo sich heute die Christ Church Chathedral befindet. Die ältere Keltensiedlung befand sich weiter flussaufwärts. Durch diese Siedlungen entstanden auch beide Namen der irischen Metropole: In der irischen Sprachen heißt Dublin "Baile Átha Cliath (Stadt an der Hürdenfurt). Der englische Name Dublin entstammt der Wikingersiedlung, die den Ort "Dubhlinn" nannten.
Im 12. Jahrhundert eroberten Normannen südliche Teile Irlands und wurden somit zum Zentrum der englischen Macht. Dadurch verlagerte sich das Machtzentrum der gälischen Könige immer mehr in die heutige Hauptstadt. Die anglo-normannischen Eroberer wurden aber in die irische Kultur integriert, so dass nur ein kleines Gebiet außerhalb Dublin komplett unter englischer Besatzung stand. Dieses Gebiet außerhalb von Dublin ist bekannt als "The Pale" (der Pfahl). Menschen außerhalb dieses Gebiets wurden als unzivilisiert betrachtet, was zu dem bekannten englischen Ausdruck "Beyond the Pale" (Außerhalb des "Pale" - in der Bedeutung von "völlig inakzeptabel") führte. In Dublin konzentrierte sich nun die englische Macht um das neugebaute Dublin Castle, während viele der ursprünglichen altnordischen Einwohner die Stadt verließen. Sie gründeten eigene kleine Siedlungen nördlich und südlich von Dublin. Im Jahr 1171 wurde Dublin unter Heinrich II. Hauptstadt der englischen Besetzer ("Lordship of Ireland" 1171-1541) und wurde von englischen und walisischen Siedlern beinahe überrannt. Die Engländer fanden Gefallen an der irischen Insel und besiedelten sie zu Hauff. Die wichtigsten Gebäude aus dieser Zeit stehen in Dublin: St. Patrick´s Cathedral, Christ Church Cathedral und die St. Audoen's Church. Diese Bauten befinden sich alle in einem Radius von einem Kilometer entfernt.
Das Leben in Dublin im Mittelalter war gefährlich. Gewalt und Beulenpest suchte die Stadt heim, große kriegerische Schlachten und räuberische Übergriffe fanden über Jahrhunderte in und um Dublin statt. Ein Streit zwischen Schotten, Engländer und Iren entstand, der sich über Jahrhunderte hinweg zog. Im 16. Jahrhundert dominierte die irische Herrschaft, doch auch innerhalb der irischen Königsfamilie herrschte Streit und Uneinigkeit. Die Iren untereinander und die Engländern stritten sich, es entstand ein Rosenkrieg, das Dublin Castle wurde besetzt. Dies führte zu einer engen Beziehung zwischen Dublin und England, die nicht immer freundschaftlich war. Glückliche Engländer, die nun über Dublin herrschten waren im 17. Jahrhundert dann doch verunsichert: durch die protestantische Reformation in England; waren sie doch nahezu alle römisch-katholisch.
Spannungen, Krankheiten, Neunjähriger Krieg zerrütte Dublin und als Ergebnis betrachtete die englische Herrschaft Dublin als unzuverlässig. Die Engländer ermutigten englische Protestanten nach Irland überzusiedeln. Diese "Neu-Engländer" bildeten die Basis der englischen Regierung in Irland bis ins 19. Jahrhundert. Die Engländer stärkten ihre Machtposition in Irland, führten strenge Gesetze ein und wandten sich gegen die katholische Mehrheit. Dublin wuchs als Stadt und wurde zur zweitgrößten Stadt des britischen Empires nach London. Dublin erhielt Modernisierungen, englischen Baustil, neue Fassaden und strenge Regeln zur Abfallbeseitigung, um weitere Krankheiten zu vermeiden. Neue und breitere Straßen entstanden in Dublin und die Stadt wurde immer größer. Nur die alten Dubliner Viertel Temple Bar zwischen "Dame Street" und der Liffey sowie die Gegend um die Grafton Street überlebten bis heute mit ihren engen mittelalterlich anmutenden Straßen.
Durch die Zuwanderung aus ländlichen Gebieten änderte sich nun aber erneut das demografische Gleichgewicht, und die irischen Katholiken erlangten Ende des 18. Jahrhunderts wieder die Mehrheit in der Stadt. Im 20.Jahrhundert schließlich schien Irland endgültig England zu gehören, doch der erste Weltkrieg verhindert dies. Zwischen 1858 und 1916 wurden zahlreiche Unabhängigkeitsbewegungen gegen die britische Besatzung gegründet. Am 24. April 1916 wurde in Dublin die Unabhängigkeit ausgerufen. Der Aufstand ging als Osteraufstand in die Geschichte ein. Die Briten schlugen den Unabhängigkeitsversuch grausam nieder und exekutierten den Führer der Freiheitsbewegung. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebe Dublin eine besonders blutige Zeit: Die Iren waren zornig über die Hinrichtung der Anführer des Osteraufstandes und den Plan der Briten, in Irland die Wehrpflicht einzuführen. Von dieser Wut profitierte die Sinn Féin und gewann bei den Unterhauswahlen von 1918 zwei Drittel der irischen Parlamentssitze. Die Abgeordneten bezogen diese jedoch nicht in Westminster, sondern im Mansion House, im neugegründeten irischen Parlament Dáil Éireann.
Die Iren riefen die Unabhängigkeit aus und stellten eine eigene Regierung. Der Finanzminister Michael Collins organisierte in Dublin den städtischen Guerrillakampf der Irish Volunteers. Im November 1920 ließ er in Dublin 14 britische Geheimagenten ermorden und während eines Fußballspiels im Stadion Croke Park wurden 12 Zuschauer erschossen. Diesem Vergeltungsakt gab man den Namen Blutiger Sonntag. Im Mai 1921 wurde das Custom House in Brand gesetzt. Bis 1921 kam es zum Unabhängigkeitskrieg der Irish Republican Army (IRA) gegen die Briten. Dann setzten die Briten einen Waffenstillstand durch und beide Seiten unterzeichneten den anglo-irischen Vertrag: am 6. Dezember 1921 wurde Irland ein Freistaat innerhalb Großbritanniens und hatte von nun an begrenzte Unabhängigkeit: die Mitglieder des Irischen Parlaments mussten dem britischen Monarchen die Treue schwören. Die Dáil-Fraktion unter Eamon De Valera lehnte den Vertrag ab und im Juni 1922 brach ein Bürgerkrieg aus, bei dem die Vertragsgegner die Four Courts besetzten und die Freistaat-Truppen von Collins das Gebäude bombardierten. Es kam zu weiteren blutigen Kämpfen der Freistaatgegner gegen die irische Regierung bis 1923, wobei über 4.000 Menschen umkamen, auch Collins wurde 1922 aus dem Hinterhalt erschossen. Im Mai 1923 wendete sich De Valera schließlich gegen den gewaltsamen Widerstand und verließ die Sinn Féin. 1926 gründete er die Partei Fianna Fáil (Krieger von Irland), mit der er 1932 die Wahlen gewann. Er hatte das Amt des Premierministers mit zwei Unterbrechungen bis 1959 inne und war danach weitere 14 Jahre Staatspräsident von Irland.
1937 erklärte sich Irland als souverän und demokratisch. Eine neue Verfassung wurde verabschiedet. Im Zweiten Weltkrieg blieb Irland neutral, daher musste Dublin nur einen einzigen deutschen Luftangriff erdulden. 1949 erklärte sich Irland zur Republik und trat aus dem Commonwealth aus, um die Verbindung zu Großbritannien zu kappen. Im Ireland Act beschloss das Londoner Unterhaus im gleichen Jahr, dass Nordirland Teil von Großbritannien bleiben sollte. Im Jahr 1955 wurde Irland Mitglied den Vereinten Nationen und 1973 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft. Von der politischen Situation in Nordirland blieb Dublin stets weitgehend unberührt, nur 1966 zerstörte die IRA jedoch die Nelson-Säule von Dublin, da sie höher war als diejenige auf dem Trafalgar Square in London. Nur der Kopf der Statue blieb erhalten und ist heute im Stadtmuseum zu sehen. 1972 wurde die Britische Botschaft in Dublin von Molotowcocktails zerstört, als Vergeltung für den Zweiten Blutigen Sonntag, an dem in Londonderry 13 Demonstranten erschossen worden waren.
Dublin wurde zur Kulturhauptstadt 1991 gewählt, wodurch sich das Viertel Temple Bar zu einem Kulturzentrum entwickelte. Jedoch veränderte sich hauptsächlich der Stadtteil südlich des Flusses, wodurch die Kluft zwischen dem Nord- und dem Südufer weiter verschärft wurde und Kriminalität und Drogendelikte zunahmen. Dennoch ist Dublin heute eine lebendige, moderne und kosmopolitische Stadt. Zu dieser Entwicklung hat zu einem großen Teil der zukunftsorientierte Regierungsstil von Präsidentin Mary Robinson beigetragen. 2002 wurde der EURO offizielles Zahlungsmittel in Irland.