Bratislava

Geschichte:

In den so genannten "Salzburger Annalen" aus dem Jahre 907 lassen sich die ersten schriftlichen Hinweise auf die heutige Stadt Bratislava finden. Darin wurde urkundlich ein Ort namens Brezalauspurc erwähnt. Andere Schreibweisen (etwa bei Johannes Aventinus aus dem Jahre 805) geben die Namen Braslavespurch oder Pressalauspruch an. Doch wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass eine erste dauerhafte Besiedlung der Gegend um die heutige slowakische Hauptstadt bereits in der Jungsteinzeit (etwa 5700 v. Chr.) eingetreten war. Diese ersten Siedler waren demnach Angehörige der Kultur der Linearbandkeramiker. Im 5. Jahrhundert kamen die Kelten in das Gebiet und ließen sich dort nieder. Sie (bzw. der Stamm der Boier) gründeten etwa dort, wo sich die heutige Stadtmitte finden lässt, um das Jahr 115 v. Chr. herum eine befestigte Siedlung. Zwischen dem 1. und dem 4. Jahrhundert waren es zum einen die Römer, welche das Gebiet beherrschten, zum anderen die Germanen. So verlief auch der berühmte Donaulimes quer durch das heutige Stadtgebiet. Um das Jahr 500 kamen die Slawen in das Gebiet und gründeten 623 das (bis 658 bestehende) Reich des Samo, womit sie das erste bekannte slawische Staatengebilde hervorbrachten.

Ist die städtische Entwicklung für das 10. Jahrhundert nur ungenau darzustellen, so geht man doch davon aus, dass das heutige Bratislava etwa ab dem Jahre 907 unter magyarischer bzw. ungarischer Herrschaft gestanden haben muss. Um die Jahrhundertwende vom 10. zum 11. Jahrhundert herum wurde das Komitat Pressburg gegründet. 990 ging die Stadt an Bayern und als Mitgift von Gisela von Bayern anlässlich ihrer Heirat mit dem ungarischen König Stephan I. an den ungarischen Staat über. Etwa um das Jahr 1001 herum wurde Bratislava mitsamt der ganzen Slowakei von Polen erobert. Ab etwa 1030 kam die Stadt dann schließlich ganz zum Königreich Ungarn. Unterhalb der Pressburg sollte sich von nun an eine Marktsiedlung entwickeln, welche wegen ihrer außerordentlich guten strategischen Lage mehrfachen Angriffen fremder Mächte ausgesetzt wurde. So kamen etwa die Mongolen ins Umland und verwüsteten es 1241. Hernach wurden viele deutsche Kolonisten in der Stadt angesiedelt. Diese stellten spätestens ab der Neuzeit die Bevölkerungsmehrheit. Der ungarische König Andreas III. verlieh Bratislava 1291 endlich das Stadtrecht und Kaiser Sigismund von Luxemburg erklärte Bratislava 1405 zur königlichen Freistadt.

Im Anschluss an die Schlacht bei Mohács (1526) trat das Königreich Ungarn weite Teile des Territoriums an das Osmanische Reich ab. In diesem Zusammenhang wurde Bratislava 1536 zur Hauptstadt des Königlichen Ungarn genannten Restterritoriums. Dieses wurde nun von den Habsburgern regiert und war Sitz aller wichtigen Institutionen sowie von 1543 an zudem Sitz des Erzbischofs von Gran. Im Martinsdom wurden in den Jahren zwischen 1563 und 1830 acht Monarchen aus dem Hause Habsburg gekrönt. Nicht nur unter der Herrschaft der Kaiserin Maria Theresia, sondern überhaupt im 18. Jahrhundert durfte Bratislava eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit erleben und zur größten und wichtigsten Stadt des gesamten ungarischen Königreichs werden. Neue Paläste wurden gebaut, neue Klöster und Landgüter. Die Bevölkerung wuchs um ein Dreifaches an. Diese Zeit endete erst unter Joseph II., wozu auch beigetragen hat, dass die Kronjuwelen 1783 nach Wien überführt wurden und die Verwaltung nach Ofen (heute Teil von Budapest) umzog. Doch Bratislava konnte in der Folgezeit zum städtischen Mittelpunkt der slowakischen Nationalbewegung werden.

Im Jahre 1805 wurde in Bratislavas Primatialpalais zwischen Österreich und Frankreich (nach Napoléon Bonapartes Sieg bei Austerlitz) der Frieden von Pressburg unterzeichnet. In Folge der erneuten Frontstellung gegen Frankreich (1809 mit England) kam es zu französischen Bombardements auf Bratislava, in deren Verlauf u.a. die Burg Devín zerstört wurde. Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert war Bratislava die (nach Budapest) am stärksten industrialisierte Stadt des ungarischen Königreichs. Bratislava wurde im Jahre 1918 auf Anordnung der Alliierten der neu gegründeten Tschechoslowakei angegliedert, die dann mit ausländischer Hilfe im Januar 1919 die Stadt eroberte. Sie übte von nun an die Funktion einer De-facto-Hauptstadt des slowakischen Teils der Tschechoslowakei aus. Viele Ungarn flohen wegen ihrer Ablehnung des tschechischen Staates nun aus der Stadt. Von 1938 an war Bratislava der Sitz der Regierung der autonomen Slowakei und von 1939 an Hauptstadt der ersten slowakischen Republik. Der überwiegende Teil der in Bratislava lebenden Juden wurde nun von der slowakischen Regierung ausgewiesen und den Nationalsozialisten überlassen.

Aus der 1945 von den Sowjets eroberten Stadt wurden in den folgenden Jahren die dort ansässigen deutschen Einwohner vertrieben (auf die Benes-Dekrete zurückgehend), so dass die Stadt fast nur noch von Slowaken bewohnt war. Nachdem die Kommunistischen Partei 1948 an die Macht gekommen war, wurden weite Plattenbausiedlungen hochgezogen und städtebauliche Modernisierungen vorgenommen, denen nicht wenige architektonisch wertvolle Bauwerke zum Opfer fielen. Seit dem 1. Januar 1968 war Bratislava formell die Hauptstadt der Slowakei (ab 1969 Slowakische Sozialistische Republik). Ende 1989 trat Bratislava als eines der Zentren der so genannten Samtenen Revolution hervor, welche die Vertreibung der Kommunisten aus dem Land zur Folge hatte. Bratislava ist nun seit 1993 Hauptstadt der unabhängigen Slowakei.

Lage:

Informationen:

Ort: Bratislava

Land: Slowakei

Besucht am: 02.2012 - 05.2012

Fläche: 367,66 km²

Einwohner: 425.923 (31.12.2016)

Gegründet: ca. 907

Bilder:

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Burg Bratislava

Der Burgberg ist seit der Steinzeit besiedelt. Die ersten namentlich bekannten Siedler waren die Kelten, die hier noch v. Chr. ein Oppidum bauten. Später erreichten die Germanen und Römer das Gebiet; von 9 n. Chr. bis 378 kontrollierte das Römische Reich das Gebiet. Auf dem Burgberg sollte eine Grenzfestung bzw. ein Turm errichtet werden, um die Grenzlager wie Gerulata und Carnuntum (beide Teil des Donaulimes) auf dem rechten Ufer der Donau zu ergänzen. 378 mussten die Römer unter dem Druck der germanischen Visigoten den Burgberg verlassen. Die Entwicklung in der Zeit der Völkerwanderung ist unklar. Gegen Ende dieser Periode erreichten die Slawen das Gebiet; in der Zeit des Mährerreiches im späten 9. Jahrhundert wurde hier eine wichtige Befestigung gebaut. Die Burg wurde zum ersten Mal 805 bzw. 907 (letzteres in den Salzburger Annalen) erwähnt. Bezüglich des Jahres 907 wird in mehreren Quellen von drei Schlachten bei Brezalauspurc berichtet, die den letztendlichen Fall des Mährerreiches verursacht hatten. Im Ostteil des Berges ist aus dieser Zeit eine dreischiffige steinerne Basilika erhalten geblieben. Danach wurde das Gebiet um die Burg Teil des Königreichs Ungarn.

Im 10. Jahrhundert wurden hier Münzen mit der Inschrift "Preslavva Civitas" geprägt. Im 11. und 12. Jahrhundert entstand hier ein vorromanischer mittelalterlicher Steinpalast. Seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde die Burg zum Sitz der neu entstandenen Gespanschaft Pressburg. Im 13. Jahrhundert wurde hier eine romanische arpadische Burg errichtet, die bis 1427 Bestand hatte. Die Dominante dieser Befestigungsanlage war ein romanischer Wohnturm auf der schwachen Südwestseite; als einziger Bauteil dieser Anlage ist er bis heute erhalten geblieben. Am Ende des 13. Jahrhunderts fiel die Burg zweimal: 1273 wurde sie von Truppen des böhmischen Königs Premysl Ottokar und 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht erobert. Ihren heutigen vierflügligen Grundriss bekam die Burg im 15. Jahrhundert, als Sigismund von Luxemburg einen gotischen Umbau verordnete. Der umfassende Umbau betraf auch die Befestigung vor allem wegen Angriffen der Hussiten: zwei Basteien und das Sigismundtor wurden errichtet. In dieser Zeit entstand auch ein 85 Meter tiefer Brunnen. Nach der Schlacht bei Mohács im Jahr 1526, als die Türken die ungarische Armee schlugen und später die bisherige Hauptstadt Buda besetzten, wurde die Burg zum Sitz des Habsburgers Ferdinand I.

Während der Umbauarbeiten im 16. und 17. Jahrhundert (Türkenkriege, Reformation) wurde die Burg mehrmals befestigt: 1552-1562 wurde die Burg im Renaissancestil umgebaut. Alle Flügel wurden im Bezug auf die Höhe vereinheitlicht und ein weiterer Turm errichtet. Seit 1608 beherbergte der Südwestturm die ungarischen Kronjuwelen; seither wird er auch als Kronturm bezeichnet. 1635 bewilligte der ungarische Landtag bauliche Veränderungen an der Burg. Palatin Graf Paul Pálffy beauftragte den Architekten Hans Alberthal (= Giovanni Albertalli aus Roveredo, Graubünden, Schweiz), die Aufsicht hatte der kaiserliche Hof-Baumeister Giovanni Battista Carlone. Die ganze Burganlage wurde um einen Stock erhöht und es wurden weitere zwei Türme erbaut, womit die Burg ihr heutiges viertürmiges Aussehen bekam. Zugleich ließ sich Pálffy seinen Gartenpalast am Burgberg errichten. Hier ist Pietro Maino Maderno als Bildhauer der Springbrunnen dokumentiert. Aus dem nahen kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg erfolgten große Lieferungen von Kaiserstein und Steinmetzarbeiten. Im späten 17. Jahrhundert wurden zwei Bastionen zu den Befestigungen hinzugefügt; 1674 wurde auf der südwestlichen Bastion das Leopoldtor (benannt nach Leopold I.) errichtet. Dieses war jedoch ungünstig platziert, daher wurde es zugemauert und ein neues Tor, das Wienertor, im Jahr 1712 auf der Westseite gebaut.

Die letzten größten Umbauarbeiten erfolgten während der Regierungszeit von Maria Theresia. Das 18. Jahrhundert war friedlicher als das 16. und 17. Jahrhundert, die Hauptfunktion wandelte sich von einer Verteidigungsanlage zu einer Wohnburg. Diese barocke, heute als theresianisch bezeichnete Burg wurde 1755-1765 umgebaut; auf der Südseite wurde der sogenannte Ehrenhof erstellt. Auf der Westseite entstanden ein Geschäftshof und ein Pferdestall und auf der Ostseite wurde ein als Theresianum bezeichnetes Rokokopalais gebaut; es war Sitz des Statthalters. Nachdem der Statthalter die Burg im Jahr 1780 verlassen hatte und die Kronjuwelen nach Wien verbracht worden waren, verlor die Burg während der Regierung von Joseph II. ihre Bedeutung. 1784 wurde ein Generalseminar gegründet, das unter anderem eine wichtige Rolle für die Slowakische Nationalbewegung spielte. 1790 wurde es wieder geschlossen und bis 1802 war die Burg Eigentum der Kirche. Seit 1802 wurde die Burg als Kaserne benutzt.

Am 28. Mai 1811 brach ein drei Tage dauerndes Feuer aus, das sich schnell auf die Vorburg und den Vorort Schlossgrund ausbreitete. Das Feuer soll durch die Achtlosigkeit von Soldaten verursacht worden sein. In den folgenden 150 Jahren erhoben sich nur die Burgruinen über der Stadt. Teile, die nicht dem Feuer zum Opfer gefallen waren, wurden weiterhin als Kasernen und Gefängnis benutzt. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Wiederaufbau-Vorschläge unterbreitet, aber nicht durchgeführt. Während der Existenz der Ersten Slowakischen Republik plante man, das Burgareal für ein Universitätsviertel oder Regierungsgebäude zu nutzen. Diese Pläne wurden nicht verwirklicht. Die Burg wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg von 1953 bis 1968 renoviert. In der wiederaufgebauten Burg wurde am 30. Oktober 1968 das neue Verfassungsgesetz über den tschechoslowakischen Bund, womit der Staat, zumindest rechtlich, von einem zentralisierten Staat zum Bund wurde, unterzeichnet. Am 3. September 1992 unterzeichnete man im damaligen Rittersaal (heute Saal der Verfassung) die aktuelle slowakische Verfassung, zwei Tage nach deren Gutheißung und vier Monate vor der Unabhängigkeit der Slowakei. Von 1993 bis 1996 diente die Burg als Sitz des slowakischen Präsidenten, bevor der Sitz ins erst instandgesetzte Palais Grassalkovich verlegt wurde. Heute dient die Burganlage als Museum und Repräsentationsgebäude. Die ehemalige Kapelle dient heute als Konzertsaal. Seit 2008 wird sie wieder renoviert.

Burg Devín

Die Burg erhebt sich als Ruine einer imposanten Festungsanlage auf dem Felsmassiv am Zusammenfluss von March und Donau hoch über das davorliegende Marchfeld, am Fuß des 513 Meter hohen Thebener Kogels, mit dem die Kleinen Karpaten gegenüber dem Hundsheimer Berg am Donaudurchbruch (der Thebener Pforte, früher Porta Hungarica) beginnen. Der Burgfelsen spielte schon vor Christus auf Grund der exponierten Lage eine wichtige strategische Rolle. In den ersten Jahrhunderten nach Christus befand sich hier eine der Grenzstationen des Römischen Reiches, wo römische Legionen den Schutz für naheliegende Städte wie Carnuntum vor den Völkern aus dem Norden und Osten übernahmen. Die Burg (slowakisch hrad Devín) wurde in den Fuldaer Annalen als Dowina 864 zum ersten Mal erwähnt, sie bestand damals aus einer fürstlichen Burg mit Kirche und Grabstätte sowie Schutzwällen auf dem dahinterliegenden Berg Devínska Kobyla.

In der älteren Forschung wurde mehrfach die Vermutung geäußert, Devín wäre mit dem castrum Wogastisburg identisch oder hätte das Zentrum des Samo-Reiches gebildet. Dies wird von den heute dort tätigen Archäologen aber abgelehnt (Veronika Plachá und Jana Hlavicová), da trotz langjähriger und großflächiger Ausgrabungen auf dem Burghügel Funde aus dem 7. Jahrhundert fehlen und erst wieder aus dem 8. Jahrhundert vorhanden sind. Nachdem die Slowakei nach dem Ende des Mährerreiches ein Teil von Ungarn wurde (Devín gehörte zum Komitat Pressburg seit etwa 1000), gehörte die Burg ab dem 15. Jahrhundert verschiedenen ungarischen Adelsgeschlechtern, bis die Festung im Jahre 1809 durch napoleonische Truppen in die Luft gesprengt wurde. Daraufhin verhandelten Napoleon und Leopold Pálffy, die beide vereinbarten, dass Wien von Produkten von Pálffy versorgt wird. Der nationale Mythos und die Tradition der nationalen Wallfahrten wurde am 24. April 1836 durch Ludovít Stúr und seinen Gefährten begründet, die an diesem Tag auf den Burgfelsen gestiegen waren.

Am 18. Juli 1896 wurde die auf dem Burgfelsen auf einem Granitsockel stehende 33 Meter hohe Árpádsäule eingeweiht, welche das tausendjährige Reich der Stephanskrone (also Ungarns) symbolisieren sollte. Das Burgmassiv wurde von diesem Zeitpunkt an Árpádfelsen genannt, diese Bezeichnung hielt sich unter der deutsch- und ungarischstämmigen Bevölkerung bis 1945. Die Säule jedoch wurde schon am 31. Dezember 1918 durch tschechische Legionäre gesprengt, die Reste des Monuments wurden später nach Ungarn verbracht. Im Jahr 1961 schließlich wurde die Burgruine zum Nationaldenkmal erklärt und wurde seither zu einem Freilichtmuseum ausgebaut. Archäologischen Funden zufolge gab es eine kirchliche Schule an der Burg Devín. Möglicherweise ist es die 863 von Kyrill von Saloniki gegründete so genannte Mährische Akademie, in der künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet wurden, und die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde.

Die Herkunft des slawischen Namens der Burg und des gleichnamigen Ortes (Devín), der aus dem Mittelalter (864) als "Dowina, id est puella" (deutsch Dowina, das heißt Magd) überliefert ist, ist nicht sicher geklärt. Er könnte vom slowakischen Wort "deva" / "dievka", das so viel wie "Magd" / "Mädl" bedeutet (vergleiche deutsch Magdeburg) stammen. Auch vom Namen der slawischen Göttin Deva könnte der Name laut einiger slowakischer Autoren stammen. Devín könnte also das Zentrum des Kultes um diese Göttin gewesen sein. Auch die Erklärung, dass es sich um eine Bildung zum Verb dívat sa = schauen, ausblicken handelt, ist möglich.