Geschichte:
Die Geschichte der Stadt Athen reicht etwa 7.500 Jahre, bis in die Jungsteinzeit, zurück. Um 1300 v. Chr. wurde auf der Akropolis ein mykenischer Königspalast errichtet. Die älteste Stadtanlage beschränkte sich auf die obere Fläche eines steilen, nur von Westen her zugänglichen Felshügels, der später als Burg (Akropolis) den militärischen und religiösen Mittelpunkt Athens bildete. Die Fläche wurde bereits sehr frühzeitig eingeebnet und mit einer starken Mauer umgeben, die mit neun hintereinander angeordneten Toren gesichert wurde (Enneapylai). Innerhalb dieser Burg wohnten die alten Könige dieses Teils von Attika. Athen stand seit jeher unter dem besonderen Schutz des Zeus, dem ein früh erbauter Altar gewidmet war, sowie der stadtschützenden Athene (Athene Polias), der auch der älteste Tempel der Stadt, der Hekatompedos, geweiht war. Dem äußeren Stadttor gegenüber lag der älteste Markt der Stadt, die Agora. Die Herkunft des Namens Athen ist bisher nicht geklärt, da es keine etymologischen Wurzeln des Begriffs gibt. Man vermutet, dass die Bezeichnung von der Schutzgöttin der Stadt, Athene, abstammt, jedoch ist es genausogut möglich, dass die Göttin nach der Stadt benannt wurde. In der Antike und im Englischen wird der Plural Athinai genutzt, die Selbsbezeichnung Bewohner der attischen Halbinsel (vgl. die Dörfer Demos).
Die mykenische Königsburg Athens blieb, anders als die meisten anderen mykenischen Burgen Griechenlands, von der dorischen Eroberung verschont; auch betonten die Bewohner Attikas stets ihre alte ionische Tradition und dass sie keine dorischen Elemente aufwiesen. Dennoch hinterließen die Umwälzungen der Völkerwanderung nach 1200 v. Chr. auch in Athen ihre Spuren, dessen Einfluss im Dunklen Zeitalter der nächsten Jahrhunderte eher gering blieb. In Athen hielt sich zunächst noch das lokale Königtum, dessen Ahnenreihe man mit der mythischen Urzeit zu verknüpfen suchte. Durch die zentrale Lage und die rege Teilnahme am Seehandel über seinen Hafen Piräus gewann Athen bald an Wohlstand, an dem allerdings nicht alle Athener in gleicher Weise partizipierten; zudem gab es soziale Belastungen dadurch, dass Athen auch das Umland (Attika) zu einer Polis vereinigte. Das Königtum rückte unterdessen zunehmend in den Hintergrund. Seit 682 v. Chr. wurden die Archonten jeweils nur noch für ein Jahr bestimmt. Die Spannungen innerhalb Athens nahmen aber weiter zu, wie sich erstmals deutlich beim versuchten Staatsstreich des Kylon um 632 v. Chr. zeigte. Die Notwendigkeit einer Verfassungsreform wurde zunehmend deutlich. Zunächst versuchte Drakon mit sprichwörtlich gewordenen "drakonischen Strafen" die Ordnung zu garantieren. Bald nach ihm sorgte Solon für einen Ausgleich der Interessen der Adligen und der Stadtbürger durch seinen Verfassungsentwurf. Die Athener wurden in vier Klassen eingeteilt, von denen nur die oberste zu politischen Ämtern zugelassen war, zugleich wurden aber Schuldsklaverei auf der einen und übergroßer Landbesitz auf der anderen Seite abgeschafft und freier Handel gefördert. In der Volksversammlung erhielten alle Klassen ein Stimmrecht, womit erstmals ein demokratisches Element in der Athener Verfassung wirksam wurde. Zunächst aber gelang es im Jahre 541 v. Chr. noch einmal Peisistratos die Herrschaft eines Einzelnen, die Tyrannis, zu etablieren, die nach seinem Tod im Jahre 527 v. Chr. von seinen Söhnen, Hippias und Hipparchos, fortgesetzt wurde.
Nach der Beseitigung der Tyrannis im Jahre 510 v. Chr., kam es zu einem langsamen Demokratisierungsprozess. Um 500 v. Chr. bestimmten die Perserkriege das Stadtleben, nachdem sich Athen auf der Seite der Rebellen während des Ionischen Aufstands gegen das Perserreich gestellt hatte. Die wohl bekanntesten Schlachten sind die von Marathon (490 v. Chr.) und von Salamis (480 v. Chr.). Nach der Schlacht von Salamis gelang es den Athenern, ihre Macht auch auf andere Städte auszuweiten und den Attischen Seebund zu gründen (477 v. Chr.). Mit Hilfe des Seebundes errichtete Athen eine Hegemonie über weite Teile Griechenlands und Kleinasiens: Der Seebund selbst entwickelte sich zum attischen Reich und Athen zur stärksten Seemacht. Das 5. Jahrhundert vor Christus war auch ein kultureller Standort für Personen wie Aristophanes, der Philosoph Sokrates, der Dichter Simonides oder der Bildhauer Phidias. Athen hatte eine Bevölkerung von ca. 40.000 Einwohner (ganz Attika ca. 300.000 Einwohner) und erstreckte sich auf einem etwa 2×2 km großen Gebiet rund um die Akropolis. Der Hauptplatz - die Agora - befand sich in der Nähe des heutigen Monastirakiplatzes. Das wichtigste Heiligtum war das Parthenon, in dem die Schutzpatronin der Stadt, Athene, verehrt wurde und dessen Ruinen noch heute sichtbar sind. Weitere wichtige Tempel waren der Hephaistos- und der Zeustempel (oder Olympieion).
421 v. Chr. kam es zum Nikiasfrieden, es war jedoch absehbar, dass dies nur eine Verschnaufspause sein würde: Sparta ging gegen Argos vor, während Athen sich dem langsam auflösenden Seebund zuwandte. Athen ließ sich im Zuge dieses Krieges zu manch einer Greueltat hinreißen und auch zu einer Dummheit, welche die Niederlage Athens einleiten sollte. 415 v. Chr. unternahmen die Athener, unter Einfluss des Alkibiades, die so genannte sizilische Expedition, die für Athen in einem Desaster endete (413 v. Chr.). Das Perserreich intervenierte zu Gunsten Spartas und trotz einiger Siege, unterlagen die Athener 405 v. Chr. in der Schlacht bei Aigospotamoi. Der Krieg endete so schließlich 404 v. Chr. mit der totalen Niederlage Athens. Athen musste den Seebund auflösen und wurde zeitweise von einer oligarchischen Regierung beherrscht, bevor 403 v. Chr. wieder eine gemäßigte Demokratie eingerichtet werden konnte.
In den Jahrzehnten nach dem Peloponnesischen Krieg gewannen die Athenern durch geschickte
Schaukelpolitik zwischen Persien sowie den rivalisiernden griechischen Mächten Sparta und
Theben ihre Handlungsfreiheit Stück für Stück zurück. 377 v. Chr. gelang ihnen eine Neugründung
eines verkleinerten Seebundes. In den permanenten Kriegen um die Vorherrschaft in Griechenland
setzte sich Athen zeitweise für einen Allgemeinen Frieden zwischen den Poleis ein. Seit den
50er Jahren des 4. Jahrhunderts v. Chr. trat Athen der aufstrebenden Macht Makedoniens unter
dessen König Philipp II. entgegen. Auf Betreiben des Demosthenes kam ein anti-makedonisches
Bündnis fast aller griechischen Städte zustande, dessen Heer jedoch 338 v. Chr. in der Schlacht
von Chaironeia von den Makedonen besiegt wurde. Im folgenden Jahr sah sich Athen genötigt, dem
von König Philipp dominierten Korinthischen Bund beizutreten. Philipp und nach ihm sein Sohn
Alexander der Große achteten die große Tradition Athens. Nach dem Tod Alexanders erhoben sich
Athen und andere griechische Stadtstaaten im so genannten Lamischen Krieg erneut gegen die
Makedonen, wurden aber geschlagen. Athen musste seine Demokratie einschränken und eine
makedonische Garnison erdulden. Von 317 bis 307 v.Chr. herrschte Demetrios von Phaleron, ein
Schüler des Aristoteles, als von den Makedonen unterstützter Verwalter. Nach der Vertreibung
des Demetrios von Phaleron mit Hilfe von Demetrios Poliorketes kehrte Athen noch einmal zur
radikalen Demokratie zurück und verteidigte sich bis 262 v. Chr. erfolgreich gegen die
makedonischen Eroberungsversuche. Nach der Niederlage im Cremonideischen Krieg war die Stadt
bis 229 v. Chr. makedonisch, danach wurde Athen wieder frei. Das unabhängige Athen gewann
wieder an kultureller Bedeutung. In den Auseinandersetzungen Makedoniens mit dem Römischen
Reich stand Athen auf der Seite Roms.
Spätestens seit 146 v. Chr. stand die Stadt, die schon seit 229 v. Chr. als "Freund" Roms galt, wie das restliche Griechenland faktisch unter römischer Herrschaft. Da man die Römer früh unterstützt hatte, wurde Athen zunächst gefördert und erlebte um 100 v. Chr. eine ökonomische Blüte. Das Blatt wendete sich, als die Athener 88 v. Chr. unter der Tyrannis des Aristion beschlossen, König Mithridates VI. gegen Rom zu unterstützen: Im Jahre 86 v. Chr. kam es zur Eroberung Athens durch die Truppen des römischen Feldherrn Sulla und zur gründlichen Plünderung des Ortes, der aber seinen Ruf als intellektuelles Zentrum sowie den Status als "freie Stadt" behielt und sich bald erholte. Reiche Römer agierten als Wohltäter der Stadt, und die Kaiser folgten ihrem Beispiel: Schon während der Herrschaft des ersten Kaisers Augustus entstand die Römische Agora. Kaiser Hadrian (117 bis 138 n. Chr.) hielt sich dann mehrfach in Athen auf. Der Philhellene und Kunstliebhaber stiftete Athen mehrere große Bauwerke: Er ließ die Hadriansstadt (heute ist vor allem noch das Hadrianstor erhalten) und die Hadriansbibliothek bauen sowie den gewaltigen, schon in archaischer Zeit begonnenen Tempel des Olympischen Zeus (das Olympieion) vollenden. In römischer Zeit entstand auch das Theater des Herodes Atticus am Fuß der Akropolis. Die Stadt erreichte nun den Höhepunkt ihrer urbanen Entwicklung.
In der Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts wurde Athen 267 dann von den germanischen Herulern erobert, nachdem die Verteidigungsanlagen seit deren Zerstörung durch Sulla mangels externer Bedrohungen vernachlässigt und in der Not nur unzulänglich restauriert worden waren. Die Stadt konnte sich aber von den Zerstörungen weitgehend erholen und blieb in der Spätantike ein bedeutendes geistiges Zentrum. Zwischen 529 und 531 wurden dann die athenischen Philosophenschulen durch Kaiser Justinian I. geschlossen, was den Niedergang der Stadt beschleunigte. Im späten 6. Jahrhundert, vermutlich um 582, wird Athen durch slawische und awarische Angreifer stark zerstört, damit wird das Ende der antiken Phase der Stadt eingeleitet, die wie der größte Teil von Griechenland zeitweilig der kaiserlichen Kontrolle entgleitet. Nach dem Vierten Kreuzzug 1204 wird Athen ein fränkisches Herzogtum unter der Lehnshoheit des "Königs" von Thessalien. Um 1260 fällt die Stadt noch einmal an die Byzantiner.
Im Jahre 1456 eroberte Sultan Mehmed II. Athen [Setines]. Im Großen Türkenkrieg gegen das Osmanische Reich wurde 1687 bei der Belagerung Athens durch die Venezianer der Parthenon-Tempel auf der Akropolis getroffen und Teile des Tempels zerstört, als das dort gelagerte türkische Munitionsdepot explodierte. Im griechischen Unabhängigkeitskampf gelang es den Einheimischen im Jahre 1822 die Akropolis und damit die Stadt den Türken abzunehmen. Vier Jahre lang hielt sich eine griechische Besatzung in der Stadt, dann kam es 1826 zur Belagerung durch osmanische Streitkräfte unter Reschid Pascha. Am 5. Juni 1827 kapitulierte die Besatzung gegen die Bedingung freien Abzugs. Türkische Truppen besetzten vorübergehend noch einmal Athen bis März 1833.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den Unabhängigkeitskriegen war Athen nur noch ein kleines Dorf mit etwa 300 Häusern. Im Jahre 1834 wurde die Hauptstadt von Nauplion nach Athen verlegt. Der erste griechische König, Otto I. (1832-1862) ließ Athen ausbauen und gab zahlreiche klassizistische Bauten in Auftrag. Im Jahre 1869 wurde die erste Dampfeisenbahnstrecke Griechenlands eröffnet, die Athen mit dem Hafen Piräus verband, diese wurde ab 1904 elektrifiziert und etappenweise zur U-Bahn Athen ausgebaut. Um 1880 überschritt die Einwohnerzahl des Stadtgebiets die 100.000.[13] Im Jahre 1896 fanden in Athen die ersten modernen Olympischen Sommerspiele statt, 1906 fand als Jubiläumsveranstaltung die Zwischenolympiade statt, der viele olympische Riten zu verdanken sind.
In zwei Balkankriegen 1912/1913 wurde das Osmanische Reich aus Südosteuropa bis in die heutigen Grenzen der Türkei zurückgedrängt und musste große Gebiete an die Nachbarländer abtreten. Im Juni 1917 trat Griechenland unter dem Einfluss von Eleftherios Venizelos in den Ersten Weltkrieg ein. Zuvor hatten die Alliierten Athen sowie fast alle strategisch wichtigen Landesteile besetzt. 1920 entfachte Griechenland den bis 1922 dauernden griechisch-türkischen Krieg in Kleinasien (Kleinasiatische Katastrophe). Nach Athen, das 1880 nicht mehr als 100.000 Einwohner gehabt hatte, kamen 230.000 Flüchtlinge aus Kleinasien. Der Staat wies den Flüchtlingen Grundstücke am Stadtrand zu, es entstanden Barackensiedlungen. Politisch war die Epoche durch eine große Instabilität geprägt, 1922 hatte eine Revolution stattgefunden, die den Sturz der Monarchie erreichte. Es folgte eine Republik von 1924 bis 1935, auf die eine Rückkehr zur Monarchie 1935 mit einem autoritären Regime unter General Metaxas folgte.
Nach der Abwehr des italienischen Angriffs auf Griechenland Ende 1940 folgte im April 1941 der deutsche Balkanfeldzug; die griechische Regierung flüchtete auf dem Panzerkreuzer Georgios Averoff (Schiffsmuseum Trokadero Marina in Paleo Faliro) nach Alexandria. Am 23. April kapitulierte Griechenland; Athen wurde am Morgen des 27. April kampflos von Truppen der 6. Panzer-Division besetzt. Das ganze Land wurde von den Achsenmächten in Besatzungszonen eingeteilt, für alle Zonen behielt sich das Dritte Reich die wirtschaftliche Ausbeutung vor und gründete die DEGRIGES, um Sach- und Vermögenswerte aus dem Land zu ziehen. Die große Hungersnot infolge der Ausplünderung durch die Besatzungsmacht traf die städtische Bevölkerung besonders hart: im Winter 1941/1942 und 1942-1943 starben im Athener Ballungsgebiet über 100.000 Menschen den Hungertod.
Von 1967 bis 1974 herrschte die griechische Militärdiktatur (Junta), am 17. November 1973 wurde der Aufstand am Polytechnikum blutig niedergeschlagen. In der Nacht zum 24. Juli 1974 landete Konstantinos Karamanlis in Athen, wurde von einer jubelnden Bevölkerung begrüßt und noch in der Nacht als Premierminister vereidigt. Das Militärregime war zusammengebrochen. Im Jahre 1980 wurde im Zappeion der Beitritt Griechenlands zur damaligen EWG unterzeichnet. Das rasche Wachstum Athens hatte lange Zeit zu einer Vernachlässigung der Infrastruktur geführt, die vor allem in den 1990er Jahren nachgeholt wurde. 2004 war Athen wiederholt Ausrichter der Olympischen Spiele.